Soldatenfragen in der Evangelischen Akademie Bad Boll
Fragen zur Ausrichtung der Bundeswehr und zur Rolle von Soldaten und Soldatinnen sind durch aktuelle weltpolitische Entwicklungen wieder in Medien und Gesellschaft präsent und auch die Anfänge der Bundeswehr geraten verstärkt in den Fokus der historischen Debatten. Die Evangelische Akademie Bad Boll stellte mit ihren Tagungen in den 1950er und 1960er einen wichtigen Rahmen zur Verfügung, der nicht nur einen Dialog zwischen Soldaten und Kirchenvertretern ermöglichte, sondern auch unter Beteiligung von hohen Bundestagspolitikern genutzt wurde, um die Grundsätze der Inneren Führung zu erarbeiten und zu hinterfragen.
Häufig wurden dazu verschiedene Institutionen und Gruppen zusammengebracht. So gab es beispielsweise Tagungen, bei denen Soldaten mit Gewerkschaftern, der Presse oder Hochschulen in den Dialog traten. Auf der politischen Ebene lag der Schwerpunkt auf der Erziehung des Soldaten zum demokratischen Staatsbürger. So äußerte sich der Offizier und Militärtheoretiker Wolf Graf von Baudissin bei einem Podiumsgespräch in Bad Boll Anfang 1955 zur demokratischen Verantwortung aller Deutschen:
Daneben sollte den Soldaten im Rahmen einer Rüstzeit die Möglichkeit einer geistlichen Auszeit geboten werden. Gelegentlich wurden auch familiäre Angelegenheiten zum Tagungsthema gemacht. So wurde beispielsweise 1960 eine Veranstaltung mit dem schönen Titel „Soldat und die Liebe” (siehe K55/29) organisiert.
Die Unterlagen der Akademie ermöglichen einen außermilitärischen Einblick in die Anfänge der Bundeswehr und des Bundesgrenzschutzes. Den Großteil dieses 1,5 lfd. Meter umfassenden Teilbestandes zu den Soldatenfragen machen die Tagungsakten aus. Darin enthalten sind unter anderem Vorträge von Landesbischof Martin Haug sowie von Politikern wie Gustav Heinemann, Franz Josef Strauß, Theodor Blank, Kai-Uwe von Hassel und Helmut Schmidt.
Die Unterlagen zu den Soldatentagungen stammen aus dem Bestand der Akademie Bad Boll (K 55), der Anfang des Jahres vom Evangelischen Archiv Baden und Württemberg übernommen wurde, und sind nun online recherchierbar.
- Aktenvermerk von Heinrich Eberbach (aus der Ev. Akademie Bad Boll) mit Sichtvermerk von u.a. Franz Josef Strauß, Seite 1. EABW, K55, Nr. 27, Aktenvermerk im Verteidigungsministerium.
- Seite 2
- Tagungseinladung im Juni 1960. EABW,K55/29.
Beitragsbild: Dokumentencollage aus K55/17








