Feldpost von 1914/18 nach 110 Jahren wieder lesbar

13. April 2026 | |

Mehr als 1700 Feldpostbriefe und -karten sind es, die „per Zufall“ in unser Archiv kamen, weil die Familie von Pfarrer Paul Häußler aus Oberwälden und Wangen, Dekanat Göppingen, diese Feldpost aufhob und der Enkel sie uns übergab. Sie sind eine hervorragende konkrete Überlieferung aus dem 1. Weltkrieg, die nun nach vier Generationen wieder lesbar ist.

Die Gemeindeglieder aus Oberwälden und Wangen, die als Soldaten in den Krieg eingezogen wurden, erhielten von der Kirchengemeinde Päckchen und das Gemeindeblatt. Mit dem Dank an „ihren“ Pfarrer waren oft auch Grüße an die Familien der Soldaten und „an die Gemeinde“ verbunden. Diese konnten dann im Sonntagsgottesdienst vorgelesen werden. Der große Umfang der Feldpost lässt auf das starke Bedürfnis nach „Heimat“ schließen, aber auch auf die Beliebtheit des Gemeindepfarrers. Zudem lässt er Rückschlüsse auf die seelische und militärische Verfassung der Soldaten zu. Dies wurde in einer lesenswerten Magisterarbeit an der Universität Tübingen untersucht (Tilmann Schmidt: „Front und Kirchengemeinde. Feldpostbriefe aus dem württembergischen Dorf Wangen-Oberwälden als Zeugnisse individueller religiöser Kriegserfahrung“, 2003, EHZ Sign. AQ 7/742) erforscht. In über 230 Karteikarten hat Pfarrer Häußler zudem die militärische Laufbahn und die Einsatzorte der Soldaten aus seiner Gemeinde verzeichnet.

Militärisches Pflichtbewusstsein, Kaisertreue, „Heldentum“, aber auch Verletzungs- und Todesnachrichten präsentieren sich hier – und die Sehnsucht nach Frieden.

Der Bestand ist unter der Signatur D 219 recherchierbar und im Lesesaal einsehbar.