Der Pfarrer Wilhelm Rehm (1900-1948) im Spannungsfeld zwischen Kirche und Nationalsozialismus

20. April 2026 | |

Pfarrer Wilhelm Rehm war ein vom Nationalsozialismus überzeugter Christ. Er sei, wie er rückblickend 1947 zu seiner Entlastung anführte, bestrebt gewesen, „zwischen Kirche, Staat und Partei ein ehrlicher Makler zu sein und der Kirche den Platz im Volksleben zu sichern, den sie zur Durchführung ihres göttlichen Auftrags brauchte.“ Damals machte er sich Hoffnungen, wieder als Pfarrer in den Dienst der Landeskirche eintreten zu können, so dass er versuchte, sein Handeln in den Jahren vor 1945 in ein besseres Licht zu rücken. Er war Landesleiter der Deutschen Christen in Württemberg und SA-Hauptsturmführer. In der Pfarrerschaft versuchte er für den Nationalsozialismus zu werben und er agierte gegen Landesbischof Wurm. Ein umfangreicher Nachlass von Wilhelm Rehm, der Einblick in die Entwicklung seiner Überzeugungen und eine genauere Beurteilung seiner Persönlichkeit ermöglichen würde, ist leider nicht vorhanden. Doch wurden einige Unterlagen von ihm (zusammen mit einem Nachlass seines Schwagers Otto Haug, siehe D 55) unserem Archiv übergeben. Dieses wenige hat dennoch Aussagekraft über Wilhelm Rehm:

Pfarrer Wilhelm Rehm, Oktober 1947 (D 222, Nr. 5/13)

– einige familiäre Dokumente, einschließlich Ahnenlisten im Rahmen des „Ariernachweises“

– Fotos: u.a. als junger Pfarrer, mit seiner Frau in den Bergen, ein Bild kurz vor seinem Tod

– sowie eine Predigt und Sonntagsgedanken, zusätzlich zu den drei Predigten in dem von ihm herausgegebenen Band: „Mit Gott wollen wir Taten tun. Predigten und Ansprachen >Deutscher Christen<“ (1934 veröffentlicht)

– dazu persönliche und familiäre Korrespondenz.

Insgesamt ist es ein kleiner Bestand, der immerhin einen Einblick in den Menschen, den Pfarrer, den DC- und SA-Funktionär Wilhelm Rehm ermöglicht.

Der Bestand D 222 ist nun online recherchierbar und im Lesesaal des EABW einsehbar. Im Bestandsvorwort findet sich weiteres zu seiner Biografie und Hinweise auf Literatur, die sein Wirken innerhalb der Bewegung „Deutsche Christen“ ausführlich behandelt.