Briefmarkensammlung und der „Fall Niemöller“ – Niemöller-Autograph entdeckt

Dank des philatelistischen Hobbys eines Pfarrers unserer Landeskirche kam eine Postkarte des bedeutenden Theologen der Bekennenden Kirche, Martin Niemöller (1892–1984), in unsere Hände.

Mitarbeitende des Pfarrers wussten um dessen Leidenschaft und übergaben ihm vor Jahren eine Postkarte für seine Briefmarkensammlung. Aufgrund der Briefmarke stufte er sie als „Ganzsache“ ein und hob sie auf. Beim Aufräumen nahm er sie nun bewusst in die Hand und stellte erst jetzt fest, wessen Handschrift er besaß.

Niemöller schrieb die Karte am 27. Februar 1938 aus der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Moabit an den Schwenninger Pfarrer Erich Kurz (1909–1973). Mit seiner Karte bedankte er sich für den „lieben Gruß vom 19.[02.]“ und berichtet: „Meine Untersuchungshaft geht in diesen Tagen zu Ende, und was dann kommt, steht in den Händen dessen, der all unsre Wege selber führt.“

Tatsächlich wurde Niemöller am 2. März 1938 zu einer Geldstrafe und Festungshaft verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt galt. Verärgert über das milde Urteil ließ Hitler Niemöller als seinen persönlichen Gefangenen in das KZ Sachsenhausen überführen und machte diese Entscheidung trotz anhaltender weltweiter Proteste nicht wieder rückgängig. In Sachsenhausen war Niemöller drei Jahre in Einzelhaft, bevor er 1941 in das KZ Dachau verlegt wurde, wo er seine Zelle mit drei Priestern teilte (vgl. Ehmer, Kirchengeschichte, S. 651). Erst mit Kriegsende 1945 kam Niemöller frei.

Martin Niemöller war vor seiner Inhaftierung am 1. Juli 1937 im In- und Ausland zur Symbolfigur des kirchlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus geworden. Seine Inhaftierung, vor allem aber der Rechtsbruch durch Hitler erregte ein ungeheures Aufsehen und Solidaritätsbekundungen. Auch die württembergische Bekenntnisgemeinschaft, zu der Erich Kurz gehörte, rief dazu auf, für Niemöller einzutreten. In diesen Zusammenhang ist diese Karte einzuordnen.

Daneben gehörte das Schwenninger Pfarrerehepaar Kurz zur württembergischen Pfarrhauskette. 1943 wurde das jüdische, aus Berlin stammende und nun untergetauchte Ehepaar Pineas im Johannespfarrhaus Schwenningen von Pfarrfrau Lotte Kurz – ihr Mann war Kriegsteilnehmer – und der Vikarin der Gemeinde Margarte Hoffer (1906-1991) versorgt (vgl. Röhm/Thierfelder, Bd. 4/1, S. 198. 201).

Die Postkarte wurde der Personalakte von Erich Kurz hinzugefügt (EABW, A 327, Nr. 1927).