Als Gast bei der Konferenz der Archive der Oberrheinischen Kirchenprovinz
Manchmal beginnt eine spannende Reise mit einer einfachen Einladung – und einer kleinen Recherche. Als die Anfrage eintraf, bei der jährlichen Konferenz der Archive der Oberrheinischen Kirchenprovinz über die Fusion der landeskirchlichen Archive Karlsruhe und Stuttgart zum Evangelischen Archiv Baden und Württemberg (EABW) zu berichten, stellte sich zunächst eine grundlegende Frage: Was genau ist eigentlich die Oberrheinische Kirchenprovinz?
Ein kurzer Blick in die Strukturen der katholischen Kirche brachte Klarheit: Zur Kirchenprovinz Freiburg gehören die Bistümer Freiburg, Rottenburg-Stuttgart und Mainz. Genau aus diesen drei Bistümern kamen in diesem Jahr rund 30 Archivarinnen und Archivare zur zweitägigen Konferenz zusammen, die in Rottenburg stattfand.
Austausch auf Augenhöhe
Die Tagung bot eine wertvolle Plattform für fachlichen Austausch und kollegiale Vernetzung. Auf der Agenda standen zahlreiche aktuelle Themen aus der archivischen Praxis: Entwicklungen in der Schriftgutverwaltung, Fragen der Bewertung, neue Dienstleistungen im Zuge von Pfarreifusionen sowie ganz konkrete Herausforderungen im Umgang mit Nutzerinnen und Nutzern.
Es wurde deutlich, wie sehr sich die Archive – unabhängig von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit – mit ähnlichen Fragestellungen konfrontiert sehen. Strukturelle Veränderungen, knapper werdende Ressourcen und steigende Anforderungen an Service und Zugänglichkeit prägen den archivischen Alltag.
Dabei zeigte sich: Nicht nur evangelische Archive stehen unter Veränderungsdruck. Auch die katholischen Kolleginnen und Kollegen ringen mit vergleichbaren Herausforderungen und suchen nach tragfähigen Lösungen.
Interesse am evangelischen Fusionsprojekt
Vor diesem Hintergrund stieß der Gastvortrag mit dem Titel „Zwei Landeskirchen und ein Archiv: Das Evangelische Archiv Baden und Württemberg“ auf großes Interesse. Die Teilnehmenden verfolgten gespannt, wie aus ersten Kooperationsüberlegungen ein gemeinsames Archiv wurde.
Mareike Ritter zeichnete in ihrem Vortrag den Weg von den ersten Gesprächen im Jahr 2021 bis hin zur tatsächlichen Fusion im Januar 2025 nach. Was zunächst als lose Zusammenarbeit geplant war, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem ambitionierten Projekt – inklusive der Zusammenführung der Bestände und dem Umzug von Karlsruhe nach Stuttgart.
Besonders große Aufmerksamkeit erhielt die Frage nach der Motivation hinter dieser Entscheidung. Der Mut, sich auf einen gemeinsamen Standort zu verständigen und gewachsene Strukturen neu zu denken, wurde von vielen als bemerkenswert hervorgehoben.
Praxisfragen im Fokus
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Die Fragen der Teilnehmenden zeigten deutlich, wo in der Praxis die größten Interessen und auch Unsicherheiten liegen:
· Wie gelingt die Zusammenführung unterschiedlicher archivischer Traditionen?
· Welche Strategien wurden im Umgang mit verschiedenen Bewertungsansätzen entwickelt?
· Wie werden Unterschiede in der Lagerung von Akten harmonisiert?
· Und nicht zuletzt: Wie funktioniert die Bereitstellung von Unterlagen für die Verwaltung – etwa für den Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe – trotz zentralem Archivstandort in Stuttgart?
Diese praxisnahen Fragen unterstrichen, dass Fusionen nicht nur strukturelle, sondern vor allem auch kulturelle Prozesse sind. Unterschiedliche Arbeitsweisen, gewachsene Routinen und institutionelle Identitäten müssen zusammengeführt und neu gedacht werden.
Fazit: Gemeinsame Herausforderungen, gemeinsames Lernen.
Die Teilnahme an der Konferenz machte einmal mehr deutlich, wie wertvoll der Blick über den eigenen Tellerrand ist. Trotz unterschiedlicher kirchlicher Kontexte sind die Herausforderungen vieler kirchlicher Archive erstaunlich ähnlich.
Der offene Austausch, die Neugier auf neue Modelle und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, prägten die Atmosphäre der Tagung. Gerade Projekte wie die Fusion zum EABW können dabei als Impulsgeber dienen – nicht als Blaupause, aber als Beispiel dafür, wie mutige Entscheidungen und langfristige Perspektiven den Wandel im Archivwesen gestalten können.
Die Konferenz in Rottenburg zeigte eindrucksvoll: Die Zukunft der Archive wird gemeinsam gedacht – über konfessionelle und institutionelle Grenzen hinweg.
Beitragsbild: Danke an Herrn Franzky (Erzbischöfliches Archiv Freiburg) für die Zurverfügungstellung der Aufnahme.




