Der Bund christdeutscher Jugend nach 1945 in Baden. Nachlass von Martin Fischer
Durch die nationalsozialistische Gleichschaltung der Vereine und Verbände wurden die von den NS-Organisationen unabhängigen Jugendverbände im Jahr 1933 aufgelöst. Der 1921 aus der Neulandbewegung hervorgegangene Bund christdeutscher Jugend (BCJ) nahm 1933 den Bund deutscher Jugendvereine in sich auf. Im Jahr 1933 verließen viele aus unterschiedlichen Gründen den Bund. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er sich 1946 neu. Sein Wahlspruch lautete: Fromm, deutsch, weltoffen.
Der Nachlass N47 (Martin Fischer) beinhaltet unter anderem Protokolle, Briefe, Berichte und Grundsatzdokumente zum Bund Christdeutscher Jugend (BCJ) Nordbaden. Der BCJ Nordbaden war ein Jugendbund „Von Jungen und Mädchen, Männern und Frauen“, der sich für eine „Durchdringung aller Lebensgebiete im Geist des Evangeliums“ einsetzte und sich in die „große Gemeinschaft der Kirche“ gestellt sah. In den Dokumenten herrscht eine vom Sprachduktus des Nationalsozialismus geprägte Sprache vor. So wird beispielsweise von „Führern der ihnen anvertrauten Jugendgruppen“ gesprochen, da der BCJ neben dem Ältestenkreis auch Jugendgruppen betrieb.
Im Nachlass von Martin Fischer geht es um Aktionen des BCJs Nordbaden welcher u. a. Jugendliche als Zielgruppe hatte. Es wurden Freizeiten, Treffen, Lager, Fahren und Tagungen angeboten. Er verstand sich laut der Richtlinien des Bundes vom 11. 2. 1948 als Zwischenglied auf dem Weg zu Gemeinde in dem er Helfer, Wegweiser und Wächter in der Gemeinschaft sein wollte, das evangelisch-christliche Leben wolle er im Alltag stärken. Der BCJ verstand seine Arbeit als „Kampf gegen die drohende Auflösung des christlichen Lebens in unserem Volk.“
Die leitenden Mitglieder sprachen sich in Briefen als „Bundesfreunde” an. Der Wahlspruch des Bundes lautete: fromm, deutsch, weltoffen. Unter „fromm” verstanden sie: „Wer sich zu Jesus Christus als seinen Herrn und Heiland hält und das Leben der Kirche mit lebt und wer nicht beim Herr, Herr sagen bleibt. Matt. 7, 21.“
Unter „deutsch“ verstanden sie die Teilhabe und das Teilnehmen am deutschen Schicksal sowie die Scham, dass das ganze Volk sich in die Verirrung von Lüge, Gewalt, Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit hat hineintreiben lassen. Sie wollten „betrachtend und prüfend“ die „Zeiten der Entscheidung“ „unseres Volkes“ und „führende und verführte Persönlichkeiten“ in der Geschichte untersuchen. Unter „weltoffen“ verstanden sie „immer zuchtvoll leben“. Ohne die Zucht des Leibes, der Seele und des Geistes würde die Jugend in grauenhafte Verwilderung versinken.
Die Weiterführung des Bundes war aber von Anfang an umstritten, ebenso gab es verschiedene Gruppen im Bund, die unterschiedliche – auch theologische – Ziele verfolgten und sich nicht für ein gemeinsames Nebeneinander, sondern für eine Anpassung aussprachen. Mittelfristig wurde die Jugendarbeit neu strukturiert.
Quellen: Die Religionen in Geschichte und Gegenwart, 3. Auflage, 3. Band, J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1959, S. 1049.
Das Inventar des Nachlasses kann hier eingesehen werden.
- EABW, N47, Nr. 1: Satzung des Bundes, I
- EABW, N47, Nr. 1: Satzung des Bundes, II






