Innenstadtgemeinden Pforzheim – Folge I. 1: Altstadtgemeinde

21. November 2022 | | ,
 (Fortsetzung vom 14.11.2022)

Die erste Holzkirche auf dem Gebiet der heutigen Pforzheimer Altstadt ruht auf einer alten Römerstraße, welche ca. 90 n. Chr. entstand. Sie war Bischof Martin von Tours geweiht. Im 9. oder 10. Jahrhundert fand der Bau einer vorromanischen Kirche an gleicher Stelle statt. Pforzheim erhält im 11. Jahrhundert das Marktrecht. Zur gleichen Zeit hat das Kloster Hirsau das Patronatsrecht über St. Martin. Der bisherige Kirchenbau wird in dieser Zeit durch eine romanische Pfeilerbasilika ersetzt. 1159 wird diese Kirche urkundlich erwähnt. Das Kloster Hirsau verliert das Patronatsrecht 1344 und übergibt es an das Kloster Lichtenau bei Baden-Baden. Darauf folgt der Abbruch des romanischen Chors und ein gotischer Neubau. Die Schlusssteine dieses Neubaus zeigen im Westen das badische Wappen und im Osten das Wappen des Grafen von Beichlingen.

1519 fanden in Pforzheim die ersten reformatorischen Predigten durch den Priester Johannes Schwebel statt. Im darauffolgenden Jahr kam es zur Verbreitung entsprechender Schriften, u. a. durch Johannes Ungerer. Der evangelische Glaube festigte sich mit den Jahren so stark, dass auch die Abwendung von Markgraf Philipp von Baden (1530) die Evangelischen nicht vertreiben konnte. Sie durften weiterhin in Pforzheim ihrem Glauben nachgehen. Mit der Einführung der evangelischen Kirchenordnung im Jahr 1556 wurden die katholischen Stifte und Klöster in der Pforzheimer Umgebung aufgelöst und dem Markgrafen unterstellt.
1534 entstand die (spätere sog.) Altstadtgemeinde. Der erste Pfarrer dieser Pfarrei war 1556 Mag. Joh. Stöffelin. Die Altstadtkirche wurde während des 30jährigen Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen, als die abziehenden bayrischen Truppen die Altstadt anzündeten. Die Kirche brannte vollständig aus. Nach ihrem Wiederaufbau stahlen 1691 französische Truppen alle vier Glocken der Kirche. Die Gemeindemitglieder dezimierten sich so stark, dass über eine Auflösung der Gemeinde nachgedacht wurde, obwohl sie 1710 eine neue Orgel und 1714 zwei neue Glocken erhielt. Durch den Aufstieg von Pforzheim durch die Uhren- und Schmuckindustrie wuchs auch die Bevölkerung wieder an. Plötzlich war die Altstadtkirche für die vielen neuen Mitglieder zu klein geworden. In den Jahren 1823/24 wurde sie fast vollständig abgetragen und neu errichtet. Architekt war Karl August Schwarz, ein Schüler Weinbrenners. Mit der Errichtung eines Vikariats in Würm verlor die Altstadtgemeinde ihren letzten Filialort. Fünfzig Jahre nach dem Neubau der Kirche wurden viele Teile davon im neugotischen Stil verändert, so z.B. der Turm, das Gestühl, die Emporen und der Chorraum. Die Altstadtkirche lag im Hochwassergebiet der Enz, welche zwischen 1902 und 1912 reguliert wurde. Somit war die Kirche vor Hochwassern geschützt. 1902 trennte sich die Südstadtpfarrei und 1923 die Oststadtpfarrei von der Altstadtgemeinde. Wie viele andere Gemeinden auch, musste sich die Altstadtgemeinde während des I. Weltkriegs von ihren Glocken und den Orgelpfeifen trennen. Ab 1932 unterstand das Stadtvikariat IV dem Pfarrer der Altstadtgemeinde. 1936 erfolgte eine neuerliche Renovierung der Kirche, bei der mehr Raum in Inneren geschaffen wurde. Von diesem Zeitpunkt an diente die Kirche nicht nur der Altstadtgemeinde, sondern auch der Südstadt- und Ostpfarrei als Gotteshaus mit insgesamt ca. 15.000 Mitgliedern. Fortsetzung folgt …
Schloßkirche Pforzheim
Die wiederaufgebaute Schloßkirche, die Heimat der Altstadtgemeinde, im Jahr 1985 [LkA KA, 154., Nr. 362/11]