Ein Neckarbischofsheimer Großereignis
17 Jahre nach seinem Tode wurde der Pfarrer und Dichter Adolf Schmitthenner (1854-1907) in seiner Heimat- und zehnjährigen Wirkungsstadt Neckarbischofsheim anlässlich seines 70. Geburtstages durch das Enthüllen einer Gedenktafel an dessen Geburts- und Pfarrhaus am 24. Mai 1924 geehrt. Die Festrede hielt kein Geringerer als Otto Frommel (1871-1951), der wie Schmitthenner in Heidelberg als Pfarrer und Poet hervortrat. Die Gedenkrede Frommels kam durch das Adolf-Schmitthenner-Archiv noch im selben Jahr in den Druck (Neckarbischofsheim 1924).
Im Zuge der Erschließungsarbeiten der Bilder- und Fotosammlung (Bestand 154.) tauchte eine Fotographie von diesem Ereignis auf. Es ist zu erkennen, dass diese Gedenkfeier ein Neckarbischofsheimer Großereignis war. Adolf Schmitthenner war hier zehn Jahre Pfarrer, bevor er 1893 die Stadt verließ, um die Zweite Pfarrstelle an der Heiliggeistkirche und als Lehrer am Praktisch-theologischen Seminar in Heidelberg anzutreten. 1904 bis zu seinem recht frühen Tode war Schmitthenner schließlich Pfarrer an der Heidelberger Christuskirche, dessen Nachfolger 1907 übrigens Otto Frommel wurde.
Es war für Schmitthenner sicherlich nicht unproblematisch, als Pfarrer in der Gemeinde eingesetzt zu sein, in die hinein er als Pfarrerssohn geboren wurde und die er im Alter von 15 Jahren verließ. Peter Beisel mutmasst, dass Schmitthenner für viele Gemeindeglieder immer noch der Pfarrersbub und für die Gleichaltrigen der Spielkamerad von damals war und Schmitthenner wohl befürchtet hat, dass ein allzu vertrautes Verhältnis zwischen ihm und der Gemeinde entstünde, das für eine sinnvolle Gemeindearbeit abträglich sein konnte (aus: Lebensbilder aus der Evangelischen Kirche in Baden, Bd. 5, S. 130). Immerhin aber tat Adolf Schmitthenner hier zehn Jahre seinen Dienst. Seine Abschiedspredigt am 28. Mai 1893 über die paulinische Schlussmahnung und den Segenswunsch (2. Kor. 13, 11-13) beginnt demgegenüber auch mit den Worten: Geliebte in dem HERRN! So schwer ist mir der Weg auf diese Kanzel nie geworden wie heute. Nie habe ich ein so schweres Herz hinaufgetragen wie heute (zit. ebd.).
Dass diese Gedenkfeier wenige Wochen nach der Reichstagswahl (4. Mai 1924) stattfand, erkennt man an dem Wahlplakat der SPD, auf dem August Bebel (1840-1913) abgebildet ist mit den Worten: „BEBEL mahnt – wählt sozialdemokratisch“.
Die erwartungsfrohe, festlich gekleidete Neckarbischofsheimer Bevölkerung bei der Gedenkfeier für Adolf Schmitthenner anläßlich seines 70. Geburtstages. An der Fassade hängt (noch) ein Wahlplakat von der Reichstagswahl am 4. Mai 1924 [LkA KA, 154., Nr. 1435]






