Die evangelische Gemeinde Dertingen und der Zauber der Literatur

Erste Seite des Schreibens von dem Geh. Regierungsrat von Stockhorn an Pfarrer Duffing (20.11.1870) [044. Dertingen, Nr. 289]
Johann Freiherr von Stockhorn hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, durch die Schenkung vorzüglicher und gemeinsam mit dem Pfarrer ausgewählter Literatur, Ortsbibliotheken zu gründen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Familienväter, sonst tägliche Wirtshaussitzer, bleiben jetzt Abends zu Hause, u. lesen den Ihrigen aus jenen Büchlein vor […] Bürger kommen auf dem Schul- oder Rathhauszimmer Abends an den Sonntagen zusammen, wo der Pfarrer oder ein Bürger vorliest; Kranke lesen mit großem Dank u. Freude; […] u. selbst ledige Bursche[n] kommen zum Vorlesen zusammen oder lassen sich das Gelesene erzählen, u. meiden das Wirthshaus; ja sogar die Zahl der unehelichen Kinder hat sich seitdem, wie mir ein Pfarrer schrieb, bedeutend vermindert.
Und wie reagierte Pfarrer Duffing auf diesen Brief? Ein Antwortschreiben ist in Akte Nr. 289 leider nicht enthalten. So bleibt uns nur ein weiteres Schriftstück des Geheimen Regierungsrates vom 9. Dezember 1870. Der Schreiber entnimmt dem Brief des Pfarrers welches Vergnügen ich [Johann Freiherr von Stockhorn] Ihnen u. Ihrer Gemeinde damit gemacht u. welch schöne Hoffnung ich habe, daß die Ortsbibliothek zum Segen der Gemeinde gedeihen werde. Welche Auswirkung die Literatur auf die Dertinger Bevölkerung hatte ist allerdings nicht überliefert …




