Der Wein ist schon da! Der Nachlass von Kurseelsorger Richard Elser recherchier- und nutzbar Robert Schiller schrieb am 22.12.2020

22. Dezember 2020 | | ,

So sah das Haus der Kurseelsorge in Bad Krozingen 1995 aus. Hier wirkte 1974 bis 1978 Pfarrer Richard Elser als erster Krozinger Kurseelsorger [LkA KA, 166., Nr. 3844]

Die beliebte und hochgeschätzte Berliner Theologin Dr. h.c. Ingeborg Becker (1910-1983) erhielt offenbar regelmäßig Weinpakete von Elsers aus Bad Krozingen. In den überlieferten Briefen von ihr an das Ehepaar Elser aus ihren letzten beiden Lebensjahren bedankt sie sich stets für den Wein aus dem Markgräfler Land, der den weiten Weg zu ihr nach Ost-Berlin gefunden hat: „… und als ich auf der Straße war, rief die nette Postfrau durchs Fenster mir nach: „Fr. B., da ist noch ein Paket!“ Und ich zog mit 5 Flaschen unter dem Arm fröhlich wieder heim.“.

„Der Wein ist schon da!“ (3.09.1982). Mit der bekannten und hochgeschätzten Berliner Theologin D. Ingeborg Becker standen Elsers in regem Kontakt, indem sie ihr nicht selten Wein über die Grenze schickten [LkA KA, Nr. 150.116, Nr. 18].

Doch nicht nur von dieser freundschaftlichen Verbindung nach Berlin zeugen die als Nachlass Richard Elser (1911-2006) formierten Unterlagen. Sie geben vor allem Auskunft über seine bemerkenswerte Arbeit als Kurseelsorger in Bad Krozingen. Elser war der erste, der die 1974 errichtete „II. Pfarrstelle Krozingen“ bekleidete und bis zu seinem Ruhestand innehatte.

Richard Elser war mit Leib und Seele Pfarrer und hat diese Arbeit aus einer großen Glaubensüberzeugung und Frömmigkeit heraus wahrgenommen. Davon zeugen beispielsweise die gewissenhaften, maschinenschriftlichen Aufzeichnungen über die Predigtnachgespräche mit der ihm anvertrauten Lehrvikarin. Aus ihnen geht auch hervor, dass er ein sehr korrekter, aber auch gewitzter Pfarrer gewesen sein muss, wie ein Auszug aus einem Nachgespräch zeigt: „Fünfter Pluspunkt: Die richtige Länge. Ich kam auf etwa 17 Minuten. In Wirklichkeit wars mehr, denn die Einleitung zur Lesung, die Lesung selbst, das gehörte eigentlich dazu. Zwanzig Minuten in zwei Teilen. Das ist schon fast raffiniert.“ (18.01.1980).
Den Schwerpunkt des Nachlasses bilden Gottesdienstabläufe mit Predigten sowie Kasualgottesdienste. Nun ist dieser Nachlass bearbeitet, das Findbuch online recherchierbar und in unserem Lesesaal einsehbar.