800 Jahre Franz von Assisi und seine Darstellung

12. Oktober 2026 | |

Vor genau 800 Jahren, in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1226, verstarb eine wichtige Persönlichkeit des christlichen Lebens, nämlich Franz von Assisi (auch Franziskus von Assisi). Er war 1181 oder 1182 in Assisi im heutigen Italien geboren worden und war der Begründer des Franziskanerordens, der auch als Orden der Minderbrüder (Ordo fratrum minorum) bezeichnet wird und einer der Bettelorden des 13. Jahrhunderts ist.

Franziskanerkirche Esslingen, heute eine evangelische Kirche. An Stelle des 1840 abgebrochenen Langhauses befindet sich direkt angebaut das Evangelische Gemeindehaus. Fotografie: Martin Hahn (Creative Commons Zero (CC0))

Er stammte aus gutem Hause, seine Eltern waren der Tuchhändler Pietro di Bernardone und seine Frau Giovanna, genannt Pica, die ihren Sohn eigentlich auf den Namen Giovanni (Johannes) taufen ließen, aber da der Vater zum Zeitpunkt der Geburt in Frankreich gewesen war, nannte er ihn nach seiner Rückkehr Francesco, also kleiner Franzose. Franz hatte eine unbekümmerte Kindheit und genoss im Gegensatz zu vielen anderen Kindern seiner Zeit eine gute Ausbildung in der Schule der Pfarrei San Giorgio. Bereits mit 14 Jahren trat er als Volljähriger in das Unternehmen seines Vaters ein, war erfolgreich, ging großzügig mit den Einkünften um und genoss es, Feste auszurichten und zu feiern, in denen er gerne auch im Mittelpunkt stand. Im Krieg jedoch gegen die Nachbarstadt Perugia, in den auch Francesco als Ritter für seine Stadt Assisi zog, unterlag letztere. So geriet Franz in Perugia in Gefangenschaft und kam erst nach mehr als einem Jahr gegen eine Lösegeldzahlung seines Vaters wieder frei. Die Haftstrafe hatte zu Folge, dass er kränklich, aber auch sehr nachdenklich wurde. Eigentlich sann er erneut in den Krieg zu ziehen, und zwar nach Apulien, um dort für den Papst gegen die Herrschaft der Staufer zu kämpfen, doch wider Erwarten wurde er zur Umkehr bewegt, nach der Legende durch einen Traum, der bewirkte, dass sich Franziskus zunehmend von seinen Freunden zurückzog und lieber allein sein wollte. Er kümmerte sich dafür mehr und mehr der Pflege von Aussätzigen, um die Wiederherstellung von verfallenen Kapellen und trennte sich 1206 gänzlich von seiner Familie. Nach einer am 24. Februar 1208 in Portiunkula abgehaltenen Messe, bei der das Evangelium nach Matthäus 10, 7-14 gepredigt wurde, beschloss er in apostolischer Nachfolge Jesu in vollkommener Armut zu leben, es dem Dienst Gottes zu unterstellen und das Reich Gottes zu verkünden.

Seine tiefe Überzeugung von der Nachfolge Jesu, seine tiefe Verbundenheit zu Jesus und den Menschen, denen Franziskus ein besseres Leben schenken wollte, wird auch auf den verschiedenen Darstellungen des Heiligen deutlich.

Stadtkirche Murrhardt, Flügelalter. EABW, Inventarisation.

Stadtkirche Murrhardt, Flügelalter. Rechter Flügel unteres Bild mit dem Hl. Franziskus (links). EABW, Inventarisation.

Als Beispiel sei einerseits der Flügelaltar der Stadtkirche in Murrhardt erwähnt, der 1496 in der Werkstatt des Niklaus Weckmann d.Ä.  in Ulm gefertigt wurde. Die Schnitzfiguren des Schreins und Tafelmalereien der beiden Flügel zeigen viele Heilige. Im Schrein befinden sich die geschnitzten Figuren der Maria Magdalena, flankiert von den Heiligen Sebastian links und Vitus rechts. Die Flügel zeigen Tafelmalereien vor jeweils vergoldetem Hintergrund. Oben links ist die Aussendung des Heiligen Geistes bzw. das Pfingsfest zu sehen. Im Bild darunter befindet sich Johannes der Täufer in der Bildmitte, begleitet von Erasmus von Antiochialinks und dem Hl. Stephanus rechts. Auf dem rechten Flügel sind oben die Heiligen Jungfrauen dargestellt, dabei erscheint in der Mitte die Hl. Katharina, die von Barbara und Agnes flankiert wird. In der unteren Darstellung ist der Ordensgründer Benedikt von Nursia des Benediktinerordens im Abtsornat zwischen Franz von Assisi links und Jakobus dem Älteren rechts zu sehen. Franziskus, der im Mönchsgewand dargestellt ist, wendet sich mit seiner Körperhaltung und seinem Kopf Benedikt zu, richtet seinen Blick auf den Segensgestus von Benedikt, der seine Rechte zum Segen erhoben hat und damit wird nicht der Segnende, sondern der Segen per se ins Zentrum der Szenerie gerückt. Durch die innige Verbundenheit von Franziskus zum Akt des Segnens gibt er gleichsam Zeugnis seines Glaubens, der dadurch von überdimensionaler Wirkung ist.

Ein weiteres Glaubenszeugnis stellt ein Wandbild in der ev. Vaihinger Stadtkirche dar. 1934 erhielt die Kirchengemeinde von Jakob Fremd aus dem Nachlass seines Schwagers, nämlich des Bildhauers und Akademieprofessors Adolf Fremd (1853-1924) ein 180 x 150 cm großes, in Tempera auf Leinwand ausgeführtes Wandbild, das der Kölner Schule zugeschrieben und in die Jahre zwischen 1510 1520 datiert wurde. Die Darstellung zeigt im Zentrum Christus am Kreuz, flankiert von der trauernden Maria links und Johannes rechts. Hinter dem Kreuz kniet im Mönchsgewand Franz von Assisi. Seine Trauer und sein Schmerz um den Verlust des Gekreuzigten sind so groß, dass er sich leicht nach vorne beugt, um mit seinen Armen die Beine des Gekreuzigten zu umgreifen, um möglichst nah bei ihm zu sein und zu ihm aufblicken zu können. Und tatsächlich neigt dieser seinerseits seinen Kopf zur Seite zu ihm nach unten.

Stadtkirche Vaihingen auf den Fildern, Tempera auf Leinwand. EABW, Inventarisation.

Die verzweifelte Gebärde und Mimik des Heiligen zeigen an, dass er Jesus Christus niemals verlieren möchte, dass er sich ihm so stark verbunden fühlt, dass dessen Leid zu seinem Leid wird, dass er schon dessen Wundmale trägt, wodurch eine Identifikation des Betrachtenden mit dieser Figur evoziert wird, zumal Maria ihren Blick erstarrt in die Ferne richtet und Johannes seine Aufmerksamkeit eher ihr zuwendet.

Die emotionale Verbundenheit des Franziskus von Assisi mit Jesus Christus hat auch heute noch, 800 Jahre nach dessen Tod, seine Wirkmächtigkeit nicht verloren und ist für alle Christen noch immer tragendes Vorbild.

 

Literatur:

Literatur: Ansel, Jochen/Riekert, Corinna/Springmann, Barbara: Die Restaurierung des Altarretabels der evangelischen Stadtkirche in Murrhardt. Eine außergewöhnliche Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahme, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 38/3 (2009), S. 178-183; Cohnen, Stefan: Das spätmittelalterliche Kreuzigungsbild, in: FS Stadtkirche Stuttgart-Vaihingen, S. 17; Schiegg, Karl: Vaihingen und seine Stadtkirche in Geschichte und Gegenwart, Stuttgart 1973, S. 27-28; Sachs, Hannelore/Badstübner, Ernst/Neumann, Helga: Christliche Ikonographie in Stichworten. Leipzig (3. Aufl.) 1988, S. 136-137; Pelizaeus, Anette: Die Predigerkirche in Erfurt – Studien zur gotischen Bettelordens- und Pfarrkirchenarchitektur in Thüringen. Köln 2004, S. 10-15; Franziskus von Assisi – Google Suche, Zugriff v. 06.10.2026;