Nachlass von Pfarrer Friedrich John erschlossen. Er starb im Krieg beim Versuch, das Gemeindehaus der Friedenskirche zu löschen
Friedrich John wurde am 28. Dezember 1882 in Schwäbisch Hall geboren. Von 1900 bis 1905 studierte er Evangelische Theologie an der Universität Tübingen. Anschließend war er unter anderem in Stuttgart-Feuerbach als ständiger Vikar tätig. Nach seiner im Jahr 1909 bestandenen zweiten theologischen Prüfung unternahm er 1910 eine Studienreise nach Norddeutschland und England. Von 1912 bis 1921 arbeitete er als Stadtpfarrer in Ebingen. In dieser Zeit heiratete er Emma Katz (* 1886), die Tochter eines ehemaligen Fabrikbesitzers. Sie brachte 1913 den ersten Sohn des Ehepaars, Werner John, zur Welt. Am 5. Oktober 1916 wurde Friedrich John mit dem Charlottenkreuz ausgezeichnet, einem württembergischen Orden für besondere Verdienste bei der Pflege von Verwundeten oder Kranken oder in der allgemeinen Kriegsfürsorge. 1921 wurde John Stadtpfarrer in Bad Cannstatt; in diesem Jahr wurden seine Tochter Dorothea und sein Sohn Hermann (Zwillinge) geboren. Ab 1928 war er Stadtpfarrer der Friedenskirche nahe dem Neckartor im östlichen Stuttgarter Stadtbezirk Mitte. Dies sollte die letzte Station in seiner beruflichen Karriere werden. Beide Söhne Friedrich Johns waren im Zweiten Weltkrieg als Soldaten der Wehrmacht an der Ostfront. Am 28. August 1941 starb Werner John im Gefecht bei Sanina. Im Krieg pflegte Pfarrer John auch Kontakte zu mehreren Soldaten. 1943 verwechselte er einen fremden Soldaten mit einem Bekannten und schickte ihm in Form einer Predigt des Landesbischofs Feldpost mit einigen Begleitzeilen. Der Soldat zeigte John daraufhin an, woraufhin dieser von der Gestapo verhört und verwarnt wurde. In der Nacht vom 12. zum 13. September 1944 wurde das Evangelische Gemeindehaus der Friedenskirche bei einem Luftangriff auf Stuttgart von Stabbrandbomben schwer getroffen. John starb bei dem Versuch, den Brand zu löschen. Seine Tochter Dorothea fand in den Trümmern nur noch die Überreste der Uhr ihres Vaters. Sie wurde Diplom-Bibliothekarin und starb im Jahr 2023 im Alter von 102 Jahren. Ihr ist es zu verdanken, dass der Nachlass und die Uhr Friedrich Johns am 5. Februar 2024 durch den pensionierten Pfarrer Hans Rippmann aus Rottweil dem Evangelischen Archiv Baden und Württemberg übergeben wurden. . Dieser Nachlass (D 184) enthält 33 Notiz-Kalender Johns der Jahre 1911 bis 1943. In diesen sind auffällig viele Bleistifte in gutem Zustand und in den 1940er Jahren auch einige Schnittmuster enthalten. Im Tordurchgang des heutigen Gemeindehauses erinnert eine Bronzetafel an Friedrich Johns Tod bei dem Versuch, das Feuer zu löschen und das Gemeindehaus Salem zu retten.
Das Inventar des Nachlasses von Friedrich John (D 184) kann hier eingesehen werden.
Beitragsbild: Eine Auswahl der Notizkalender aus dem Nachlass.
- Bericht über Brand der Friedenskirche, EABW, PA Friedrich John.
- Todesanzeige. EABW, Personalakte Friedrich John










