Kehls besondere (Kirchen-)Geschichte
Im Februar 2021 kamen die Bestände der Kehler evangelischen Gemeinden zur Bearbeitung durch das landeskirchliche Projekt ‚Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive‘ nach Karlsruhe. Es handelte sich dabei um das Archiv der Kirchengemeinde sowie die der Gemeinden Christus, Frieden, Johannes und Martin-Luther. Dabei können die Gemeinden auf eine lebendige Geschichte zurückblicken.
Das Dorf Kehl war mit Sundheim seit der Reformation eine evangelische Gemeinde. Sie war zur Hälfte im Besitz von Baden-Baden (seit 1497) und Nassau (seit 1507). Die heutige Stadt entstand 1681 nach der Wegnahme von Straßburg, da die Franzosen an die Stelle des Dorfes Kehl einen befestigten Brückenkopf anlegen wollten, weshalb die Siedlung verlegt werden musste. Nach dem Frieden von Ryswick (1697) wurde Kehl durch Markgraf Ludwig zur Reichsfestung erhoben. Ab 1754 gehörte die Stadt zur Markgrafschaft Baden, wurde jedoch 1793 von den Franzosen zerstört, worauf die Stadt von 1808-1814 französisch war. Danach ging sie wieder zurück an Baden.
1912 wurden die Kirchengemeinden Kehl-Stadt (Friedenskirche) und Kehl-Dorf (Christusgemeinde) mit dem Nebenort Sundheim aufgelöst und unter der Kirchengemeinde Kehl vereint, agierten rechtlich jedoch noch unabhängig voneinander.
Aufgrund der Nähe zu Frankreich spielte Kehl zur Zeit des Nationalsozialismus und auch danach immer wieder eine Rolle. Da die Stadt in der „Roten Zone“ des Reichs lag, wurden die Bewohner im September 1939 mit Sonderzügen in den Schwarzwald evakuiert – eine Rückkehr war erst mit der Besetzung Frankreichs möglich. Eine erneute Räumung fand mit der Befreiung durch die Alliierten statt. Erst 1949 bis 1953 wurde Kehl aufgrund des Washingtoner Abkommens in 42 Schritten freigegeben.
1948 wurden die Martin-Luther-Pfarrei sowie 1971 die Johannespfarrei (Kehl-Süd) errichtet, erst in den 1970er Jahren entstand eine Gesamtkirchengemeinde, die den rechtlichen Rahmen vorgab, aber die vier Pfarrgemeinden jedoch selbständig weiter bestehen liess.
Im Februar 2012 beschloss der Kirchengemeinderat die Fusion der vier ehemaligen Pfarrgemeinden zu einer Gesamtkirchengemeinde. Diese übernahm die Trägerschaft aller vier Kindergärten, ebenso die Verantwortung für alle vorhandenen Gebäude. Zentraler Sitz der Verwaltung ist das Haus der Kirche in der Friedhofstraße. Dazu wurde das Gelände der Martin-Luther-Gemeinde 2019 an einen Investor verkauft.
Aufgrund dieses eigenständigen Bestehens der Kehler Gemeinden wurde entschieden, die Unterlagen bis zur Fusion 2012 als eigenständige Bestände zu erschließen. Somit ergaben sich fünf Bestände mit insgesamt 553 Verzeichnungseinheiten, welche die Zeit 1907-2015 und etwa 8 laufende Meter umfassen. Die Findmittel sind online recherchierbar.





![Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe, Kirchenbauamt der Evang. Kirche in Baden Kehl Friedenskirche (erb. 1847) [166,Nr. 2415]](https://www.archiv-ekiba.de/im/img/5StHYI-LbSrXmS-LWn6lWev3Y2BDmSlRbIJDbVvgYSjX5fO1mfCpmFlHYK3D_Rv3_IOcmfYLYIDg5FB3JFrH5SxLmKrcbeRI_IDD5Fru_KtH_IOc50Qt5fCVaVQlksz8a0RbWnYKaSjEaVQEOs-Rf0jq_F_/s,x,300,y,300/f,w/kehl-friedenskirche--erb.-1847--[166-nr.-2415].webp)