AV-Medien „unter Dach und Fach““

25. Oktober 2022 | |
Heinrich Löber schrieb am 25.10.2022

Ein Vierteljahr hat die Sichtung und Bewertung des Bestandes der ‚audiovisuellen Medien‘ beansprucht (s. Blogbeitrag vom 29.07.2022). Drei Ziele wurden dabei verfolgt, nämlich 1. die über Jahrzehnte zusammengesammelten Medieneinheiten zu überblicken, um einen als archivwürdig bewerteten und recherchierbaren Bestand zu erhalten, 2. diesen fortan verpackt im klimatisierten Neuen Magazin aufzubewahren, was für diese sensible Gattung besonders belangvoll ist, sowie 3. ein Findmittel zu erstellen.

Die 263 Einheiten des Bestands 161., Audiovisuelle Medien, haben dabei eine Standort- und keine Archivaliensignaturen erhalten. D.h., die einzelnen Medien sind nach ihrem Aufbewahrungs-Karton sowie Regalboden im Neuen Magazin (z. B.: „Kt. 5 – 54/7/1“ o. „2/7/6“) signiert. Die Sammlung umfasst 2,3 lfm. (= 23 Kartons) zzgl. 3 Planböden (LPs und Filmspulen). Das Findmittel ist online gestellt.
Vorfindlich sind folgende Medientypen: Tonbandspulen (mit Klappbox o. runden Metallhüllen); CD/CD-R; DVD/DVD-R/DVD-Video; MC; VHS; LP; Filmspulen in Transportdosen; Festplatten. Abspielgeräte für Tonbänder, Filme, LP hat unser Archiv nicht, so dass nicht in jedem Falle die Lesbarkeit der Einheiten oder evtl. vorhandene Datenverluste geprüft werden konnte. Auch bezüglich der Speicherformate ergibt sich ein äußerst heterogenes Bild: Digitale Dateien sind sowohl in retrodigitaler als auch genuin digitaler Art vorhanden.

Inhalt von einem der 23 Kartons.

Dias sowie Bilder und Fotos allerdings bilden eigene Bestände (166. sowie 154.).

Filmspulen werden in Planschränken aufbewahrt, darunter der Film über die Evangelisationsfahrt der Landesposaunenarbeit im Frühjahr 1961 nach Palermo [LkA KA, Standort: 2/7/6]

Die Filmsequenzen über die feierliche Amtseinsetzung des 1. badischen Landesbischofs Julius Kühlewein (1873-1948) und die Verabschiedung des Kirchenpräsidenten Klaus Wurth (1861-1948) in der Stadtkirche Karlsruhe (23.07.1933) sind dabei nicht nur aufgrund ihres Alters als ein herausragendes kirchenhistorisches Zeugnis zu beurteilen. Hervorzuheben wäre auch eine Filmspule mit dem Titel „Kirchentag Leipzig 1954“. Dieser war der letzte gesamtdeutsche Kirchentag (bis 1991). Aufgrund der angespannten Situation der Christ*innen in der DDR war er zugleich ein Politikum. Mit ihren 650.000 Besuchern war die Hauptversammlung des Leipziger Kirchentages am 11.07.1954 die größte Veranstaltung eines Kirchentages überhaupt. Auch ist der Film über der Posaunen-Evangelisationsfahrt der Landesarbeit evangelischer Posaunenchöre nach Palermo im Frühjahr 1961 erwähnenswert. Dieser wurde erst im September 2022 dem Archiv übergeben.
Als ein nächster, wohl auch langfristiger Schritt steht die Überlegung an, ob man die als archivwürdig bewerteten Einheiten retrodigitalisiert, um sie gemäß neuester archivfachlicher Erkenntnisse vor einem Datenverlust zu bewahren. Voraussetzung dafür ist die Verfügbarkeit von Abspielgeräten, um Datenverluste prüfen, den Inhalt und damit den Aussagegehalt wirklich erkennen und eine abschließende Bewertung durchführen zu können.
Badische und brandenburgische Jugendliche auf dem Kirchentag in Leipzig 1954
Der Kirchentag 1954 in Leipzig war der letzte gesamtdeutsche Kirchentag. Am Rande trafen sich auch brandenburgische und badische Jugendliche und hielten damit die innerdeutschen Beziehungen aufrecht, was sich als zunehmend schwierig und nach dem Mauerbau 1961 gänzlich unmöglich erwies [LkA KA, 154., Nr. 916]