Der Nachlass von Pfarrer Dr. Erwin Hegel

21. September 2026 | | ,

Es ist ein Nachlass, der ein außergewöhnliches Leben abbildet. Pfarrer Dr. Erwin Hegel war erst vor wenigen Jahren auf die Pfarrei Lutherkirche in Freiburg im Breisgau berufen worden, als er 1941 zum Wehrdienst eingezogen wurde. Versuche der Badischen Landeskirche ihn in seiner sonst verwaisten Gemeinde zu behalten erzielten nur eine einjährige Verzögerung. An die Front musste er am Ende doch. Nach wenigen Monaten versetzte ihn eine Verwundung in den Kasernendienst, was ihm möglicherweise das Leben rettete, aber nicht seine Entlassung bedeutete.

Trotz aller Widrigkeiten promovierte er im Mai 1944 zum Dr. habil., doch am 27. November desselben Jahres wurde Freiburg bombardiert. Kirche und Pfarrhaus wurden zerstört und seine Frau und zwei Kinder unter den Trümmern begraben. Nach Kriegsende geriet er in britisch-russische Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung forderte die französische Militärregierung, ihn wegen politischer Belastung in den Ruhestand zu versetzen. Erwin Hegel war von 1934 bis 1937 SA-Mitglied und Deutscher Christ gewesen. Der Badischen Landeskirche gelang es 1947, diese Maßnahme in eine Versetzung nach Opfingen umzuwandeln, worauf 1953 eine Berufung in den Kurort Badenweiler folgte.

So war Dr. Hegel ein Neuanfang vergönnt. Wie viele Menschen seines Alters stand er nach dem Krieg vor dem Nichts, doch er nutzte die Gelegenheit, sich ein neues Leben aufzubauen. Er heiratete erneut und das Paar bekam drei Kinder. Er kümmerte sich intensiv um seine Gemeinde, lehrte an der Volkshochschule Freiburg und arbeitete an der Gründung des SOS-Kinderdorfs „Schwarzwald“ in Sulzburg mit. Er wirkte in dieser Gemeinde bis zu seinem Tod im Jahr 1973.

Ein besonderes Leben – und doch kann es symbolisch für viele seiner Generation stehen. Viele Leben wurden durch den Krieg unterbrochen. Manche, wie Erwin Hegel, waren in der Lage, sich fruchtbar zu erneuern, andere nicht. Akten wie diese erlauben einen Einblick in diese Zeit und ihre Persönlichkeiten.

Das Inventar kann hier eingesehen werden.

Literatur/Quellen:

Personalakte, Landeskirchliches Archiv. Signaturen: 7768 und 7769

Nachlass N76

  • Hölderlin und der christliche Erlösungsgedanke. Hegel, Erwin; Bonn: Scheur, 1938. (Dissertation)
  • Die Kurgemeinde und ihr Pfarrer: Bericht aus einem Ort mit länger verweilenden Kurgästen. Hegel, Erwin; In: Seelsorge im modernen Tourismus (1962), Seite 50-53.
  • Das SOS-Kinderdorf. Ruf und Antwort. Hegel, Erwin; Freiburg im Breisgau: Poppen & Ortmann, 1963.
  • Vom Rettungshaus zum Kinderdorf: ein Beitrag zur Geschichte des Familienprinzips in der fürsorgenden Erziehung. Hegel, Erwin; München: Reinhardt, 1968.