Unterlagen des kirchlich-liberalen Theologen, des Karlsruher Stadtpfarrers und Kirchenrats D. Wilhelm Brückner (1832-1925) erschlossen

20. Dezember 2021 | | ,
Die im Juni diesen Jahres von einer Nachfahrin des Stadtpfarrers und Kirchenrats Wilhelm Brückner unserem Archiv übergebenen Unterlagen wurden bearbeitet und sind fortan als ‚Nachlass Wilhelm Brückner‘ (Bestand 150.093) in unserem Lesesaal recherchier- und nutzbar.
Der Sohn des deutschen Kaufmanns Gustav Brückner in St. Petersburg war 31 Jahre Pfarrer der Karlsruhe Südstadtpfarrei und als ein Führer des badischen kirchlichen Liberalismus eine stadtbekannte Persönlichkeit.
Wilhelm Brückner besuchte ab 1842 die Deutsche Hauptschule zu St. Petri in St. Petersburg, studierte in St. Petersburg, Dorpat und Heidelberg Theologie bevor er 1858 ordiniert wurde. Im selben Jahr trat er als Hilfsprediger, ab 1860 als Pfarrer der Deutschen Gemeinde Archangel seinen Dienst an, wurde zwei Jahre später zum Pfarrer der Reformierten Kolonistengemeinde Neudorf/Südrußland berufen. 1868 erfolgte die Rezeption in die Badische Landeskirche, wo er als Pastorationsgeistlicher in Oberkirch, ab 1870 als Pfarrer in Bahlingen und schließlich ab 1875 an der Johannispfarrei Karlsruhe zum Einsatz kam. 1906 trat der 74jährige (!) Brückner in den Ruhestand.

Wilhelm Brückner erhielt 1903 in Heidelberg die Ehrendoktorwürde und wurde 1917 zum Kirchenrat ernannt. 1903 wurde ihm das Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen anläßlich der Einweihung des Melanchthonhauses in Bretten.

Brückner galt als Führer des badischen kirchlichen Liberalismus (RGG2, Sp.1274) und war ein ebenso angesehener wie umstrittener Theologe.

Verheiratet war Wilhelm Brückner mit Klara geb. Dreeßen (1845-1912), einer Kaufmannstochter aus Archangel; 1 Sohn und 9 Töchter sowie 1 Kind gestorben im Alter von 6 Wochen sowie 1 Kind im Alter von 4 Jahren gingen aus dieser Ehe hervor.
Die wenigen übergebenen Unterlagen sind aber durchaus gehaltvoll: Sie enthalten private Korrespondenz (1858-1923); Todesanzeige und Kondolenzschreiben zum Tode seiner Frau sowie deren Lebenslauf und Beerdigungspredigt. Des Weiteren die Ernennungsurkunde zum Kirchenrat, des Verleihung des Ritterkreuzes I. Klasse,

das Programm zur 25jährigen Jubelfeier als Stadtpfarrer der Johanniskirche (1900), Glückwunschschreiben zum 90. Geburtstag u. a. vom Karlsruher Oberbürgermeister Siegrist und der Großherzogin Luise, das Manuskript seiner Schrift ‚Die große und die kleine Buchrolle in der Offenbarung Johannis‘ (1923), einen eigenhändigen Lebenslauf (1917), ein Entwurf zu seinem Testament (1912), etliche Zeitungsartikel (1912, 1922, 1924) sowie die Bauakte für den Umbau des Wochenendhauses von seiner Tochter Bertha Brückner in Klais-Mittenwald (1937).

Es handelt sich um eine typische „Zufallsüberlieferung“, die nach fast 100jähriger privater Aufbewahrung ihren Weg in unser Archiv gefunden hat. Sie umfasst 23 Akten in 0,1 Laufmetern mit einer Gesamtlaufzeit von 1840 bis 1937. Das Findmittel wurde als PDF veröffentlicht.