Vor mittlerweile sechseinhalb Jahren brachte Klaus Heinsius aus Fürstenfeldbruck den Nachlass seiner Tante Maria Heinsius (1893-1979) zu uns in das Landeskirchliche Archiv. Im Nachlass ließen sich allerlei Aufzeichnungen nicht nur von ihr, sondern auch von ihrem Ehemann, dem Pfarrer und Religionslehrer Wilhelm Heinsius (1890-1967) finden, von dem bereits ein zu einem Nachlass formierter Bestand existiert (150.002). Hauptsächlich bestanden die übergebenen Unterlagen aus Schulzeugnissen, Promotionsurkunden, Fotos und Postkarten von Maria, ihren Freunden und Verwandten und Manuskripten zu Veröffentlichungen.
Ehepaar Wilhelm und Maria Heinsius zu ihrem 70. Geburtstag in ihrer Freiburger Wohnung (30.03.1963) [LkA KA, 154., Nr. 1492/8]
Denn Maria Heinsius war nicht nur eine Pfarrfrau: Die am 30.03.1893 in Regensburg als Pfarrerstochter geborene Agnes Adele Luise Maria Stoeber beschäftigte sich bereits vor dem Studium intensiv mit der evangelischen Theologie. Dass ihr Vater Wilhelm Stoeber (1841-1912) Pfarrer und später Kirchenrat war, begünstigte dieses Interesse nur. An der Ruprecht-Karls-Universität erlangte sie im Juli 1917 als erste Frau die Doktorwürde (damals noch die Lizentiatinwürde). Wenige Monate später heiratete sie Wilhelm Heinsius, den sie zuvor im Studium kennengelernt hatte. Mit ihm zusammen las sie Dialektische Theologie von Karl Barth oder Ernst Troeltsch. Sie lebte mit ihrem Mann zunächst in Strümpfelbrunn bei Mosbach, später in der Melanchthonstadt Bretten, in denen er jeweils seiner Arbeit als Pfarrer und sie ihrer Arbeit in der Gemeinde nachkam. Als ihr Mann 1933 in den Schuldienst wechselte, engagierte sich Maria ebenfalls mehr in anderen Bereichen: Sie trat Frauenorganisationen bei und widmete sich auch mehr dem wissenschaftlichen Schreiben. So veröffentlichte sie bis an ihr Lebensende (1979) zahlreiche Publikationen über und um Frauen in der Kirche – ihr Fokus war dabei die frühe Neuzeit.
Maria Heinsius (Mitte) als Teilnehmerin beim Badischen Theologinnenkonvent in Neckargemünd (20.07.1958) [LkA KA, 154., Nr. 1259/1]
1944 entschloss sie sich dazu, das II. Theologische Examen abzulegen, was sie im Alter von 53 Jahren (!) im Jahre 1946 auch mit der Note „gut“ bestand (LkA KA 150.105, Nr. 6/2). Maria Heinsius wurde zu den Pfarrkandidat:innen aufgenommen. Sie wurde zwar nie ordiniert, was sie auch bedauerte, durfte aber in den Pfarreien, die während der NS-Zeit vakant wurden, Predigten und Gottesdienste halten. Diese Praxis wurde in den 1950er Jahren wieder eingestellt und so widmete sie sich ihrem Lehrauftrag an der Evangelisch-sozialen Frauenschule Freiburg und der Arbeit im Verwaltungsrat im Diakonie-Werk. Sie wurde über ihren Tod am 18.01.1979 hinaus für ihre Arbeit und ihre Beiträge zur Frauenarbeit gewürdigt und gefeiert.
Der Nachlass „Maria Heinsius“ kann nun im Findmittel online recherchiert und im Lesesaal eingesehen werden. Allerdings wurden die vorfindlichen Bildwerke in Bestand 154., Fotos und Bilder, aufgenommen und die genuinen Unterlagen, die ihren Mann Wilhelm Heinsius anbetreffen, in dessen Nachlass (Bestand 150.002) aufgenommen, wo sie nachverzeichnet werden.