„Nun liebes Feldberg gute Nacht!“. Von einem Abschied und Kirchenteppichen
Die Kirchengemeinde in Feldberg am Blauen im Schwarzwald hat eine langewährende Geschichte, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Bedingt durch Überfälle infolge von Kriegen, wie dem 30jährigen Krieg, sind die ältesten Unterlagen der Kirchengemeinde allerdings verloren gegangen. Während die Kirchenbücher der Gemeinde immerhin bis in das Jahr 1639 zurückreichen, geht die Überlieferung des Verwaltungsschriftguts „erst“ im Jahr 1741 los. Dieses Schriftgut ist im Verlauf des vergangenen halben Jahres im Landeskirchlichen Archiv in Karlsruhe bearbeitet worden. Ein erstes Findbuch für das Pfarrarchiv Feldberg wurde bereits 1994 angelegt, aber seitdem sind einige Akten hinzugekommen, die jetzt nachverzeichnet wurden, da die Kirchengemeinde Feldberg 2019 mit den Kirchengemeinden der Nachbarorte Niedereggenen und Obereggenen zur „Kirchengemeinde Eggenertal-Feldberg“ fusionierte.
Zwei guterhaltene Akten aus der ferneren und der jüngeren Vergangenheit sollen exemplarisch für den Bestand hier kurz vorgestellt werden: Zunächst „der letzte Abschied des seeligen [sic!] Herrn Isaac Rieggers wohlverdienten Vogts zu Feldberg von den Seinigen“. Rieggers verstarb am 8. Juli 1771 im Alter von 46 Jahren an Tuberkulose.Am 10. Juli 1771 wurde er laut dem Titel seines in gedruckter Form vorliegenden Abschiedsgedicht, das im Pfarrarchiv unter der lfd. Nr. 117 verzeichnet wurde, „unter einer volkreichen und sehr ansehnlichen Leichen-Begleitung zur Erde bestattet“. Interessant ist an diesem Dokument sowohl die Form als auch der Inhalt. Der Aspekt der Drucklegung, also einer Vervielfältigung, zeugt von der Bedeutung Rieggers in der Feldberger Gesellschaft, da so viele Menschen den aufwändig gestalteten Abschied Rieggers von seinen Hinterbliebenen erhalten konnten, und auch von seinem Wohlstand. Die aufwändige Gestaltung der Druckschrift mit mehreren kleinen Grafiken verstärkt diesen Eindruck. Inhaltlich ist interessant, dass er seinen Abschied in Gedichtform verfasst hat und jedem Familienmitglied eine, im Fall seiner Ehefrau sogar zwei Strophen gewidmet hat. In den letzten beiden Strophen spricht er auch Personen an, die nicht mit ihm verwandt oder verschwägert waren, nämlich ein namenloser Nachbar sowie die Gemeinde Feldberg, in der er „fast dreißig Jahre in vollem Seegen [sic!] zugebracht“ habe.
Über 200 Jahre später entstand ein besonderer Kunstgegenstand, der „Feldberger Kirchenteppich“. Auf Anregung der Heimatdichterin Paula Hollenweger entwarf die Malerin und Textilkünstlerin Annerose Frenzel aus Neuenburg am Rhein den Teppich, der neben biblischer Symbolik auch Motive aus der Natur bzw. Landwirtschaft und zwischenmenschlichen Gemeinschaft zeigt. Im Frühjahr 1982 begannen acht Feldberger Frauen gemeinsam mit der Künstlerin mit den Stickarbeiten im Gobelinstil. Am 6. November 1983 konnte das insgesamt ca. 6,20 Meter lange und ca. 2,40 Meter hohe Kunstwerk der Kirchengemeinde übergeben werden und befindet sich seitdem in der Feldberger Kirche. In der Verzeichnungseinheit 294 ist neben Vorzeichnungen der Motive und dem Entwurf einer Begleitbroschüre mit Detailaufnahmen des Teppichs auch ein Miniaturexemplar in der Größe von 34 Zentimeter Länge und 17 Zentimeter Höhe enthalten.
Das Pfarrarchiv der Kirchengemeinde Feldberg hat einen Umfang von 295 Verzeichnungseinheiten, die eine Laufzeit von 1741 bis 2021 umfassen. Insgesamt nimmt es 4,7 lfd. Meter Raum in Anspruch. Es befindet sich seit Mai 2022 gemeinsam mit den Archivbeständen der Kirchengemeinden Niedereggenen und Obereggenen im Pfarramt der Kirchengemeinde Eggenertal-Feldberg in Schliengen-Niedereggenen. Das Findbuch des Bestands ist hier online einsehbar.






