„Die Moral- und Würdelosigkeit der Bevölkerung ist erschreckend“ – Auswirkungen des II. Weltkriegs auf die Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Ladenburg-Weinheim
Bereits früh sollte sich der Einfluss des Zweiten Weltkriegs auf die Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim zu erkennen geben, wie die Akten des unlängst bearbeiteten Dekanatsarchivs dieses Kirchenbezirks belegen. Ein Jahr nach Kriegsausbruch stand mit elf Männern die Hälfte aller Geistlichen im Feld, während nur die älteren und kranken Pfarrer nicht eingezogen wurden. Bis Anfang Juli 1941 sollte die Zahl der Geistlichen im Militärdienst auf 13 ansteigen.
Auf der ersten Pfarrerkonferenz nach Kriegsende wurde berichtet, dass seit dem Einmarsch der Amerikaner 82 Menschen in den Gemeinden gestorben seien, darunter die Frau des Oberkirchenrats i.R. Ernst Schulz (1876-1949), der den Pfarrdienst in Hohensachsen-Lützelsachsen versah, sowie jeweils ein Sohn von Pfarrer Siegfried Erwin Farr (1898-1970), Pauluspfarrei Weinheim, und Dekan Philipp. Von den eingezogenen Pfarrern sei einer als gefallen gemeldet worden, während sieben andere noch vermisst seien. Der Pfarrer aus Laudenbach, Erwin Schenck (1890-1964), sei auf Anordnung des Rathauses seines Amtes enthoben worden, was die Dienstversehung dort schwierig gestalte, ebenso die Räumung von vier Pfarrhäusern in Hohensachsen, Heddesheim, Heiligkreuz sowie in der Scheffelstraße in Weinheim. Während sich Dekan Philipp über die allgemeine Moral- und Würdelosigkeit der Zivilbevölkerung in dieser Phase nach Kriegsende beschwerte, hielt er positiv fest, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher in allen Kirchengemeinden zugenommen habe.
Der Dossenheimer Pfarrer Johann Steger (1887-1952) lieferte ebenfalls einen Bericht über den Einmarsch der US-Truppen in seinen Ort Ende März 1945 und betonte dabei das seitdem überwiegend positive Verhältnis zwischen den Besatzern und den Besetzten. So habe der US-Kommandant es ihm erlaubt, am Karfreitag, dem Tag als Dossenheim besetzt wurde, und am Ostersonntag bereits wieder Gottesdienste abzuhalten. Ferner habe der US-Feldgeistliche in Absprache mit ihm in der evangelischen Kirche an fast jedem Sonntag ebenfalls seinen Gottesdienst abgehalten. Auch in der Zivilbevölkerung hätten sich schnell freundschaftliche Bande entwickelt, wobei einige Frauen und Mädchen mit den US-Soldaten sogar intimen Verkehr gehabt hätten. Pfarrer Steger betonte jedoch, dass es sich seines Wissens nach dabei nicht um Vergewaltigungen gehandelt habe. Um diesen Umgang zu unterbinden, veröffentlichte die Stadtverwaltung die Namen aller daran beteiligten Frauen und Mädchen.
Während er die US-Amerikaner also weitestgehend positiv darstellte – abgesehen von der Besetzung von Wohnhäusern -, beschrieb er deutlich negativer andere Ausländer, insbesondere Polen, die plündernd über die Höfe und Güter des Dossenheimer Umlandes gezogen seien.
- Die Besatzung Dossenheims erfolgte ohne Widerstand der deutschen Wehrmacht am Karfreitag 1945 (043., La-Wei, Nr. 876)
- Pfarrer Steger bemerkt, dass seit Kriegsende sowohl die Zahl der Wiedereintritte in die evangelische Kirche als auch die Gottesdienstbesucherzahl und die Kollekten angestiegen sind (043., La-Wei, Nr. 876)
- Pfarrer Steger berichtet über plündernde Polen, Ukrainer und andere Ausländer, während sich das Verhältnis zu den Besatzungssoldaten schnell positiv entwickelte (043., La-Wei, Nr. 876)







