Auf den Hund gekommen
Bei der Erschließung von Heiligenrechnungen der nordbadischen Kirchengemeinde Kälbertshausen tat sich folgendes kleines Fundstück auf: Auf der Rückseite einer Heiligenrechnung für das Jahr 1763 fanden sich drei kleine Skizzen oberhalb einer hastig verfassten Rechnung.
Neben einer floralen Ornamentik wurden zwei Profile eines schlappohrigen Hundes gezeichnet. Auf dem detaillierteren Profil findet sich ein Name auf dem Halsband: Gadi. Der hebräische Name hat einen alttestamentarischen Bezug und bedeutet so viel wie »mein Glück«. Der Künstler hatte wohl eine namhafte Vorlage für seine Skizze. Das gröber gezeichnete Hundeprofil wurde dem andern in zweiter Hand mit weniger Verständnis für die Formgebung nachempfunden. Es ist gut möglich, dass es sich dabei um eine Kinderhand handelte. Mit diesen Zeichnungen das Zeugnis einer kleinen, ganz alltäglichen Familienszene vor sich zu haben, ist vorstellbar.
Wer die Urheber der Skizzen waren und wem Gadi gehörte, ist allerdings nicht mehr festzustellen. Zudem müssen die Zeichnungen nicht zeitlich nah beieinander oder im Erstellungsjahr der Rechnung entstanden sein. Der Aussagewert bleibt damit sehr begrenzt.
Sicher bleibt eines: Auch vor Jahrhunderten schon bekämpfte man seine Langeweile mit kleinen Kritzeleien auf Papier.





