Nachlass der Pfarrerin und Frauenhistorikerin Hilde Bitz ist nutzbar
Hilde Bitz war keine gewöhnliche Pfarrerin. Von ihrem Lebens- und Berufsweg beeinflusst bezeugte sie einerseits die Genese des Berufes der Pfarrerin in der badischen Landeskirche, andererseits nahm sie aber auch bei dessen historischer Aufarbeitung eine entscheidende Rolle ein. Sie trug wie keine andere dazu bei, dass die Schicksale früher badischer Theologinnen nicht in Vergessenheit gerieten. Sie sammelte die Lebensgeschichten ihrer Vorgängerinnen und Amtskolleginnen und gab ihnen ihre Stimme.
1929 in Mannheim geboren, erlebte Hilde Bitz den 2. Weltkrieg als Schülerin und wurde nach einem schweren Bombenangriff im Zuge der Kinderlandverschickung nach St. Blasien gebracht. Nach Kriegsende konnte Hilde Bitz das Liselotte-Gymnasium in Mannheim besuchen und dort 1949 das Abitur ablegen. Geprägt durch ihren Religionsunterricht bei Dr. Doris Faulhaber hegte sie den Wunsch, Theologie zu studieren – in einer Zeit, in der das Pfarramt Frauen noch verwehrt war. Unterstützt und ermutigt durch Faulhaber, mit der sie eine mehr als vier Jahrzehnte überdauernde „Lebens-, Arbeits- und Wohngemeinschaft“ (Hilde Bitz an Irmtraud Bankes, 16.09.2008; Nr. 378) verbinden sollte, studierte Hilde Bitz von 1949 bis 1954 evangelische Theologie an der Universität Heidelberg. Nach dem Besuch des Praktisch-theologischen Seminars in Heidelberg trat sie 1955 ihre erste Stelle als Religionslehrerin in Mannheim an.
Gottesdienst zum 40jährigen Jubiläum der Einführung von Hilde Bitz als erste gleichgestellte Pfarrerin der badischen Landeskirche, Paul-Gerhardt-Kirche Mannheim (18. Dez. 2011) [LkA KA, digit. Bildersammlg., o. Sign.]
Nach dem Tod von Doris Faulhaber (1991) begann Hilde Bitz mit ihrer kirchenhistorischen und frauengeschichtlichen Forschungstätigkeit. Sie verfasste u.a. für das „Lexikon früher evangelischer Theologinnen“ mehr als 45 Artikel. Zahlreiche Aufsätze erschienen im Jahrbuch für badische Kirchen- und Religionsgeschichte und in den ‚Lebensbildern aus der Evangelischen Kirche in Baden‘. Bitz steuerte Beiträge zu Festschriften bei und hielt regelmäßig Vorträge. Völlig zu Recht beschreibt sie Hans-Georg Ulrichs als „Nestrix der badischen kirchlichen Frauengeschichte“.
Am 23. Juli 2017 verstarb Hilde Bitz im Alter von 87 Jahren in Mannheim. Am 1. August 2017 wurde sie auf dem Mannheimer Hauptfriedhof im gemeinsamen Grab mit Doris Faulhaber beigesetzt.
Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit machte Bitz immer wieder die Erfahrung, wie mühsam Informationen zuweilen zusammengetragen werden müssen. Und nicht selten erlebte sie, dass verlässliche Quellen nicht (mehr) zur Verfügung standen und begonnene Recherchen nicht zu Ende geführt werden konnten. Es war ihr ein Bedürfnis, die Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit nachfolgenden Generationen leicht zugänglich zu machen.
So bilden Rechercheunterlagen und Dokumente zur Geschichte der badischen Theologinnen Hauptbestandteile ihres Nachlasses. Aber nicht nur ihre eigenen Publikationen und Vortragsmanuskripte, sondern auch zahlreiche Arbeiten zur Theologinnengeschichte anderer Verfasser*innen, darunter einige unveröffentlichte Werke, sind überliefert. Neben der Theologinnengeschichte befasste sich Bitz mit der (Kirchen-)Geschichte des Nationalsozialismus.
Unterlagen zum Konvent evangelischer Theologinnen in der Bundesrepublik Deutschland und dem badischen Theologinnenkonvent zeugen von ihrem kirchenpolitischen Interesse und Engagement. Des Weiteren finden sich im Nachlass dienstliche Unterlagen, wie z.B. Material zum Weltgebetstag und zur ökumenischen Bibelwoche, Fotos und einige wenige Predigten. Umfangreich ist jedoch die erhaltene Korrespondenz.
Der Nachlass von Hilde Bitz ist mit einem Onlinefindbuch recherchierbar und kann im Lesesaal des landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe eingesehen werden.





