Innenstadtgemeinden Pforzheim – Folge I. 2: Altstadtgemeinde

26. November 2022 | | ,
 (Fortsetzung vom 21.11.2022)

In der Nacht des 23. auf den 24. Februar 1945 wurde die Innenstadt von Pforzheim von der British Royal Air Force komplett zerstört. Die Stadt brannte mehrere Tage. Ungefähr ein Drittel der Pforzheimer Bevölkerung kam bei diesem Angriff ums Leben. Besonders stark war das Gebiet um die Altstadtkirche betroffen: Die Bevölkerung schrumpfte von 5109 (17.05.1939) auf 2 Personen (31.12.1945) und in der Oststadt von 4895 auf 1621 Personen. Die Altstadtkirche wurde bei dem Angriff stark beschädigt. Interessanterweise blieben die ältesten Mauerreste bestehen, darunter auch das Eingangsportal und der Chor, welcher aus dem 14. Jahrhundert stammte. Zudem fiel durch die Erschütterungen der Explosionen der Putz von den Wänden und legte Wandmalereien frei, welche während der Reformation übertüncht worden waren. Neben den baulichen Zerstörrungen gingen auch viele Unterlagen der Altstadtgemeinde in dieser Nacht in Flammen auf. Daher sind kaum Schriftstücke aus Vorkriegszeiten erhalten.

Von 1945 bis 1955 war die Pfarrei nicht besetzt und wurden von den anderen Pforzheimer Innenstadtgemeinden mitbetreut.
Der Wiederaufbau der Altstadtkirche erfolgte von 1949 bis 1952. Nach der Errichtung einer Notkirche, war dies der zweite Kirchenaufbau nach dem Krieg in der Badischen Landeskirche. Gelder hierfür kamen auch vom Staat und vom Landesdenkmalamt. 400 Gläubige fanden in der neugestalteten Kirche Platz. Während die Außenarbeiten am Kirchengebäude stattfanden, nutze das Landesdenkmalamt die Chance und führte im Inneren der Kirche Ausgrabungen durch. Reste der alten Römerstraße, römische und frühmittelalterliche Mauerzüge sowie gotische Bodenplatten wurden dabei freigelegt. Drei Grabplatten, welche um 1300 entstanden und ebenfalls während der Ausgrabungen gefunden wurden, wurden in den 1990er Jahren im Chor aufgehängt. Zu Gunsten des Wiederaufbaus führten die Alt-, Mittel- und Südstadtpfarrei einen erfolgreichen Basar durch. Die freigelegten Wandmalereien wurden 1952 gereinigt und erneuert. Die Einweihung der neuen Altstadtkirche wurde am 20. Juli 1952 gefeiert, die neue Weigle-Orgel kam zum Weihnachtsfest hinzu, die Glocken aber erst 1960. Die neuen Paramente stellten die Nonnen des Klosters Lichtental her, welches im 14. Jahrhundert das Patronatsrecht über die damalige Altstadtkirche hatte. Unter Pfarrer Harald Porsch (1912-1995) wurde der Wiederaufbau der Gemeindeeinrichtungen mit dem Neubau von Pfarrhaus, Kindergarten und Gemeindehaus Mitte der 1960er Jahre abgeschlossen.
Eine „neue“ Altstadtpfarrei entstand 1954 durch die Teilung der Ostpfarrei. Neben dem alten Kindergarten in der Oranienstraße wurde 1964 ein zweiter Kindergarten in der Altstädterstraße 17 gegründet. Durch die Fusion aller Innenstadtgemeinden Pforzheims 2019 ging die Altstadtgemeinde in der Friedensgemeinde Pforzheim auf. Fortsetzung folgt …
Schloßkirche Pforzheim mit Gemeindezentrum
Aufgebaute Schloßkirche Pforzheim mit dem neuen Gemeindezentrum der Altstadtpfarrei (um 1980) [LkA KA, 166., Nr. 1698]