„Erbacher-Bibel“ online

22. Dezember 2022 | |
Wer sich mit badisch-evangelischer Ortskirchengeschichte befasst, kommt nicht umhin, zur „Erbacher-Bibel“ (Karlsruhe 1994) zu greifen. Wir Archivarinnen und Archivare unserer Landeskirche haben sie stets zur Seite und es vergeht eigentlich kein Arbeitstag, an dem sie nicht eingesehen wird.

Baden – ein bunt gemischter Konfessionsteppich. Die rötliche Farbe zeigt den Anteil der evangelischen Bevölkerung an [Verlag Georg Westermann, Braunschweig, 1936]

Das muss man wissen: Unter „Allgemeine Hilfsmittel“ findet man die „Erbacher-Bibel“.

Der Grund dafür ist: Das Gebiet des Badischen Landeskirche ist äußerst heterogen. Erkennbar ist dies auch daran: Erst in den Jahrzehnten seit etwa 1810 formierten sich in genuin katholischen Landesteilen auch selbständige evangelische Gemeinden. Diese waren klein, aber durch die Zuordnung etlicher Diaspora- und Nebenorte, also Orten in denen nur einzelne wenige Evangelische lebten, doch groß genug, um Eigenständigkeit zu erlangen. Als Beispiel lässt sich die Gemeinde Donaueschingen aufführen, die 1870 pastorisiert wurde und seit 1877 eine eigenständige evangelische Kirchgemeinde mit über 60 Diasporaorten (!!!) bildete. Hinzu kommt natürlich die Bikonfessionalität (reformiert / lutherisch), die in Baden bis zur Union (Okt. 1821) herrschte und die ein wichtiger Faktor auch der Kirchenbuchüberlieferung darstellt.

Die „Erbacher-Bibel“ bietet parochial-konfessionsgeschichtliche Antworten auf all‘ diese Fragen. Daneben bildet sie auch die katholisch-badischen Orte ab. Verfasst hat Hermann Erbacher (1909-1999) Die rechtliche Struktur und Pastoration der Gemeinden von der Reformation bis zur Gegenwart – so der offizielle Titel – dieses Werk im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Baden. Deren erster Archivar war Hermann Erbacher seit 1939. Auch nach seinem Ruhestand (1974) war er bis weit in die 1990er Jahre hinein territorialkirchenhistorisch aktiv und war mit diesem Standardwerk natürlich der am besten geeignete Verfasser einer derartigen, 450 Seiten umfassenden Schrift [vgl. Schwinge, Lebensbilder V, S. 461].
Dadurch, dass auch genealogisch Forschende stets territorial-konfessionelle Fragen beantworten müssen, wurde dieses Werk im Kirchenbuchportal online veröffentlicht und damit der interessierten Öffentlichkeit zur Seite gestellt. Ein toller Service! Es wurde dort auf Ebene 2, wo die Ortsnamen stehen, ein Feld „Allgemeine Hilfsmittel“ einfügt, das einen zur „Erbacher Bibel“ leitet.