In mehrfacher Hinsicht ist der zu einem „Nachlaß Hermann Maas“ (150.013) formierte Bestand eine Besonderheit: Zum einen setzt er sich in nur geringem Teil aus persönlichen Unterlagen zusammen wie es bei Nachlässen eigentlich der Fall ist. Zum anderen ist er einzelblattverzeichnet, also schriftstückgenau recherchierbar. Des Weiteren dokumentiert dieser Bestand Maas‘ Wirkungsgeschichte bis in die jüngste Gegenwart hinein.
Dieser „Nachlaß“ besteht aus fünf Teilbeständen:
Handakten aus dem eigentlichen Nachlaß Hermann Maas;
Das Archiv der Hermann-Maas-Stiftung;
Die ‚Sammlung Albrecht Lohrbächer‘;
Die Verwaltungsunterlagen der Hermann-Maas-Stitung;
Unterlagen von Avital und Schalom Ben-Chorin.
Hermann Ludwig Maas (1877-1970) war Pfarrer unserer Landeskirche und Pionier des jüdisch-christlichen Dialogs. Als Zionist war er lebenslang ein Freund Martin Bubers. Seit 1915 hatte er die Pfarrstelle an der evangelischen Hauptkirche in Heidelberg, der Heiliggeistkirche, inne und war seit 1933 Mitglied im Pfarrernotbund. 1952 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Heidelberg gewählt.
Maas engagierte sich auch in der politischen Arbeit. Sein lebenslanges Interesse galt der friedlichen Verständigung der Völker und Religionen. Hermann Maas knüpfte hierbei umfangreiche internationale Kontakte, die ihm bei seiner Hilfstätigkeit zugunsten verfolgter Juden in der Zeit des Nationalsozialismus zugute kamen. Dies hatte zur Folge, dass er 1943 auf Druck des Regimes durch den Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe in den Ruhestand versetzt und schließlich zur Zwangsarbeit nach Frankreich verschleppt wurde. Nach 1945 nahm Maas seine Tätigkeit als Pfarrer wieder auf, ein Jahr später zugleich als Kreisdekan des Kirchenkreises Nordbaden (ab 1956 mit dem Titel Prälat). Auch seine internationale Arbeit setzte er nach Kriegsende fort. Er war der erste christliche Deutsche, der offiziell vom Staat Israel zu einem Besuch im Land eingeladen und empfangen wurde. Im März und April 1950 hielt er sich in Israel auf. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte Maas mit einer der höchsten Auszeichnungen des Staates Israel als Gerechter unter den Völkern.
Die Unterlagen zu dieser derart bedeutenden Persönlichkeit unserer Landeskirche erfreuen sich einer starken Benutzung und dies war der Anlass, die 2,9 Laufmeter dieses Bestandes gemäß den neuesten Erkenntnissen der Bestanderhaltung technisch neu zu bearbeiten und das Findmittel einer Neubearbeitung zu unterziehen. Nach der Erschließung durch Walter Schnaiter im Jahre 2015 und einer Nachverzeichnung durch Johannes Kabbe 2019 erfuhr dieser Bestand nun seine (vorerst) Letztgestalt. Die Akten des Bestandes sind durch das Findmittel online recherchierbar und im Lesesaal einsehbar.
Übrigens handelt es sich bei den nachverzeichneten Unterlagen um Briefe von Hermann Maas an Schalom Ben-Chorin und seine Frau Avital (1950-1968), die dem Archiv von OKR Wolfgang Schmidt, zuvor Propst in Jerusalem, im September 2019 übergeben wurden und in hebräischer Sprache verfasst sind. Die Briefe an Avital Ben Chorin sind sehr persönlich und in einer tiefen Verehrung verfasst. So schreibt Maas beispielsweise am 20.07.1958 an Avital: „Ich fühle mich selbst als Jude, bei Tag und bei Nacht“. Die Briefe haben die Signaturen 211-216 und 219 und harren noch einer Auswertung.
Pfarrer Maas mit einem Konfirmandenjahrgang in Heidelberg mit der Peterskirche im Hintergrund (1936) [LkA KA, 154., Nr. 1075/1]
Jerusalem Yad Vashem, Gedenkstein für Hermann Maas in der „Allee der Gerechten“ zu seinem 100. Geburtstag mit Blumen geschmückt (5.08.1977) [LkA KA, 154., Nr. 612]
Der deutsch-israelische Journalist und Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin (1913-1999) (1975)