Nachlass des Schwiegersohns von Landesbischof Kühlewein, Pfarrer August Wasmer, bearbeitet

28. August 2023 | | ,
Die am 20.01.1997 durch Pfarrer Ulrich Schadt aus dem Pfarrarchiv der Luthergemeinde Karlsruhe per Depositalvertrag dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe übergebenen Unterlagen von Pfarrer August Wasmer (1895-1944) wurden zu einem Nachlass formiert und liegen nun bearbeitet vor.
Wasmer war ein Kind seiner Zeit: Wie zehntausende Andere meldete er sich 1914 als Kriegsfreiwilliger. Erst im November 1919 wurde er aus englischer Gefangenschaft entlassen. Nach den theologischen Examina (1922/23) trat Wasmer in den Dienst am Diakonissenhaus Karlsruhe, 1924 am Evangelischen Stift Freiburg. Im November 1924 begann er das Vikariat an der Christuskirche Freiburg, bevor Wasmer 1926 rezipiert wurde. Ab Juni 1926 trat er zunächst als Pfarrverwalter und ab April 1927 schließlich als Pfarrer in Schweigern den Dienst an. Im November 1933 wechselte Wasmer an die Luthergemeinde Karlsruhe. Ab 1938 war er als Leutnant, dann als Kriegspfarrer in Weinsberg eingesetzt. Am 4.12.1944 kam August Wasmer beim Luftangriff auf Heilbronn ums Leben.
Aus seiner 1927 geschlossenen Ehe mit Hildegard geb. Kühlewein (1900-1994), einer Tochter von Landesbischof Julius Kühlewein, gingen vier Kinder hervor.
Der nun bearbeitete Nachlass besteht erwartungsgemäß aus pfarramtlichen Unterlagen:  Pfarrsynodalarbeit (1925); Predigten (1924-1939), Bibelstunden, Christenlehre, Passionsandachten sowie Kasualpredigten; aber auch Studienmitschriften (1919/20) sind vorfindlich. Die Erschließungsdaten sind in einem Onlinefindbuch veröffentlicht.
Als 19jähriger zog August Wasmer in den Krieg und kehrte erst über fünf Jahre später heim. Knapp zwanzig Jahre später war durch seinen Einsatz als Leutnant und Kriegspfarrer wiederum das Militär sein Arbeitsfeld. Tragischerweise wurde er selbst Opfer kriegerischer Handlungen. Inwieweit lassen die Nachlassunterlagen eine (theologische) Auseinandersetzung mit dem an der Front Erlebten erkennen? Reflektierte Wasmer in der Weimarer Republik als öffentliche Person darüber und ist eine kirchlich-theologische Haltung und/oder Konsequenz herauszulesen?
Heiratserlaubnis Wasmer (Apr. 1927)
Heiratserlaubnis für Pfarrer August Wasmer mit „Frl. Hildegard Kühlewein, Tochter des Prälaten D. Kühlewein“ durch den Evangelischen Oberkirchenrat: „Von einem Zeugnis für die Braut wird Abstand genommen, da sie hier wohl bekannt ist.“ (13.04.1927) [LkA KA, 2.00., Nr. 7213]
Lutherkirche Karlsruhe (1938)
Lutherkirche Karlsruhe zur Zeit von Pfarrer August Wasmer (Postkarte mit Druck einer Federzeichnung von Herbert Menchau, 1938) [LkA KA, 154., Nr. 226/1]