Aus dem Pfarrarchiv Weiler (Villingen)

„Altes Rindvieh! Charakterisiert sich selbst mit diesem Brief.“ Bemerkung von Pfarrer Karl Zipperer unter einem Schreiben (LkA KA, 044., Weiler (Villingen), Nr. 25)
„Altes Rindvieh!“. Mit diesen deutlichen Worten kommentierte Pfarrer Karl Zipperer (1870-1936) in Weiler (Villingen) 1905 einen Brief des Hauptlehrers Zimmermann, in welchem der Verfasser droht, gegen eine angebliche Verleumdung seiner Frau während einer Predigt des Pfarrers vorzugehen.
Was Pfarrer Zipperer genau gesagt haben soll oder ob es zu einer Anzeige kam, ist leider nicht mehr nachvollziehbar.
Deutlich ist aber, dass das Verhältnis zwischen den beiden Männern bereits vorher äußerst angespannt war und Pfarrer Zipperer auch und vor allem von Zimmermanns Ehefrau sehr wenig hielt.
Schon einen Monat zuvor schrieb der Pfarrer einen Brief an das Großherzogliche Kreisschulamt und bat um Versetzung des Hauptlehrers. Dieser sei „unfähig“ und besitze „weder bei den Schülern noch bei der Bevölkerung das nötige Ansehen, um irgendwelchen erzieherischen Einfluss ausüben zu können“.
Der Grund dafür? Ganz klar Zimmermanns Verhalten in der Öffentlichkeit, wo sein Aufzug und seine „den ganzen Lehrerstand blamierenden Absonderlichkeiten“ notwendigerweise „zum Lachen reizen“.
Besonders verantwortlich dafür macht Pfarrer Zipperer den Einfluss der Ehefrau Zimmermanns, „die eben alles andere ist, nur keine Hausfrau“. Sie vernachlässige die Kinder und treibe sich währenddessen mit anderen Abtrünnigen stundenlang schwätzend auf der Straße herum.




