Eine milde Gabe …

19. Juli 2018 | | ,

…erhielt die junge Kirchengemeinde in Waibstadt von der badischen Großherzogin Luise geschenkt, als im Jahr 1910 die Einweihung der eigenen Kirche gefeiert werden konnte. Es handelte sich um eine Altar- und Kanzelbekleidung, die extra für die Waibstadter Kirchengemeinde in der Kunststickereischule des Badischen Frauenvereins angefertigt worden war. Dies geht aus den Unterlagen der jüngst verzeichneten Pfarrarchive der Kirchengemeinden in Waibstadt und Daisbach hervor.

Die 1842 als Filiale der Kirchengemeinde Neckarbischofsheim gegründete Gemeinde hielt ihren ersten eigenen Gottesdienst im Jahr 1885 noch im Saal der örtlichen Schule ab. 1932 wurde Waibstadt zum Diasporaort und 1968 zur Filiale der Kirchengemeinde Daisbach. Dies ist insofern besonders, als dass Daisbach zu dieser Zeit lediglich ein eigenständiges Dorf, Waibstadt hingegen eine Stadt mit etwa fünfmal mehr Einwohnern war. Als sich 1971 die politischen Gemeinden beider Ortschaften vereinigten, wurde Daisbach dementsprechend zum Ortsteil von Waibstadt. Das evangelische Pfarramt für die beiden Orte befindet sich in Daisbach, aber jede Ortschaft besitzt bis heute einen eigenen Kirchengemeinderat. 1974 erfolgte die Umbenennung in den heutigen Namen.

Bauzeichnung der Südansicht der Waibstadter Kirche, abgenommen von der Ev. Kirchenbauinspektion in Heidelberg am 8. April 1910 (044. Waibstadt, Nr. 59) [links]; Glückwunschschreiben von Großherzogin Luise von Baden zur Kircheneinweihung in Waibstadt vom 7. Oktober 1910 (044. Waibstadt, Nr. 58) [rechts]

Eine protestantische Gemeinde in Daisbach existierte seit der Zeit der Reformation. Der Lehnsherr Bernhard Göler von Ravensburg führte 1522 den evangelischen Glauben in lutherischer Ausprägung in seinen Besitztümern ein. Auch eine kleine reformierte Kirchengemeinde bildete sich in der Folgezeit in Daisbach, die im Zuge der Badischen Kirchenunion von 1821 mit der lutherischen Gemeinde vereinigt wurde.

Wie ihre Schwestergemeinde in Waibstadt erlebte auch die Kirchengemeinde in Daisbach in ihrer Geschichte diverse Um- und Neubauten sowie Renovierungen ihrer Gebäude. Eine besondere Aktion stellte dabei die Glockenbeschaffung nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Zwei der drei Glocken, die seit 1937 im neuerrichteten Kirchturm den Daisbachern die Stündlein schlugen, wurden im Januar 1942 im Zuge der „Mobilisierung der Eisenreserven“ zu Kriegszwecken ausgebaut und eingeschmolzen. Seit Sommer 1946 bemühte sich die Kirchengemeinde darum, Ersatz zu beschaffen, was angesichts der chaotischen Umstände der Nachkriegszeit mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. So musste die Kirchengemeinde neben der Finanzierung auch selbstständig das Rohmetall sowie weitere Hilfs- und Formstoffe für den Glockenguss, wie Bienenwachs, organisieren. Dass dies innerhalb von zwei Jahren gelang, ist eine bemerkenswerte Leistung. Im Sommer 1948 läuteten erstmals seit über sechs Jahren wieder drei Kirchenglocken in Daisbach.

Das Archiv der beiden Gemeinden ist in den vergangenen Monaten überarbeitet und verzeichnet worden. Die Glockenbeschaffung, die Gabe von Großherzogin Luise sowie weitere Details und Informationen aus der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden Waibstadt und Daisbach sind damit nun bequem recherchierbar. Während die Originalakten mittlerweile wieder an das Pfarramt der Kirchengemeinde übergeben worden sind, lassen sich die Bestände mittels eines Onlinefindbuchs auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs zukünftig durchsuchen.