Sondergottesdienste im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim
Abseits der normalen Sonntage des Kirchenjahrs und den regelmäßig wiederkehrenden kirchlichen Feiertagen gibt es immer wieder Gelegenheiten, zu denen besondere Gottesdienste organisiert werden. Gründe für solche Situationen umfassen besondere Jubiläen oder außergewöhnliche Ereignisse − sowohl aus positivem wie negativem Anlass.
Auch im Dekanatsarchiv Ladenburg-Weinheim, das in den Magazinen des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe aufbewahrt wird, finden Schriftwechsel zu solchen Sondergottesdiensten Niederschlag. Eine Akte umfasst diverse Gottesdienste zu besonderen Anlässen, die in den 1980er Jahren abgehalten wurden. Neben regelmäßig vorkommenden Veranstaltungen wie den Gottesdiensten „Kirche im Grünen“, die alljährlich an mehreren Orten des Kirchenbezirks abgehalten wurden, sind auch spezielle Anlässe in dieser Akte zu finden. Hierzu zählen Unterlagen zu Veranstaltungen im Lutherjahr 1983, Informationen zum ökumenischen Gedenkgottesdienst am 31. August 1988 anlässlich des Flugtagunglücks von Ramstein wenige Tage zuvor oder Schriftwechsel zur Organisation eines ökumenischen Sondergottesdienstes am Vorabend des ersten „Tags der deutschen Einheit“ am 2. Oktober 1990 in der Peterskirche Weinheim mit Landesbischof Dr. Klaus Engelhardt (vgl. Beitrag vom 2.10.2019). (LkA KA, 043. Ladenburg-Weinheim, Nr. 383)

Inspiriert von Edvard Munch − Plakat zum ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Flugtagunglücks in Ramstein in der Peterskirche Weinheim am 31.08.1988 [LkA KA, 159., Nr. 420]
Die Kirchenleitung der badischen Landeskirche hatte die Dekanate am 17. Oktober telefonisch auf die Durchführung von Bittgottesdiensten für besorgte Menschen angewiesen. Diese Information sollte dann von den Dekanaten an die einzelnen Pfarrämter im Kirchenbezirk weitergeleitet werden. Am 21. Oktober bat Landesbischof Hans-Wolfgang Heidland um eine Rückmeldung aus den Dekanaten, damit man aus diesen Erfahrungen für zukünftige Vorkommnisse Schlüsse ziehen könne. In den Tagen darauf übermittelten die Pfarrämter im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim ihre Erlebnisse an Dekan Gerhard Blail.
Die Bittgottesdienste waren in fünf der 14 Orte mit evangelischen Kirchengemeinden nicht angeboten worden. Als Begründung hierfür erklärten die Pfarrer meistenteils, dass der Vorlauf zur Vorbereitung eines Gottesdienstes zu so einem vielschichtigen Thema wie Terrorismus zu kurz gewesen sei. Ferner empfanden einige Geistliche, dass sich die Situation durch die Befreiung der Geiseln überholt hätte und ein Bittgottesdienst daher als nicht mehr notwendig erachtet wurde. Kritisch betrachtet wurde auch, dass viele Pfarrer über die Medien von der geplanten Abhaltung erfuhren und nicht von den ihnen übergeordneten Stellen. Dies hing damit zusammen, dass Dekan Blail im Anruf, den er am 17. Oktober aus Karlsruhe erhielt, nicht die Ansage erhielt, die Nachricht an die Kirchengemeinden weiterzuleiten. Er verstand die Aufforderung dergestalt, dass nur ein zentraler Gottesdienst im Kirchenbezirk in Weinheim durchgeführt werden sollte.
Dort, wo die Bittgottesdienste am 18. Oktober organisiert wurden, war die Rückmeldung aber positiv. Die Teilnehmerzahlen schwankten zwischen 40 Personen in Orten wie Neckarhausen oder Dossenheim und bis zu knapp 200 Besuchern in der Stadtkirche von Weinheim. Während der Gottesdienst in Neckarhausen spontan improvisiert wurde, da sich unerwarteterweise Menschen vor der Kirche versammelt hätten, wurde in Dossenheim am 21. Oktober noch ein weiterer Sondergottesdienst durchgeführt, an dem sogar 90 Personen teilnahmen. Es wurde mehrfach bemerkt, dass sich auch Menschen unter die Gottesdienstbesucher gemischt hätten, die sonst nicht regelmäßig zur Kirche kommen würden. Aus Schriesheim-West, wo der Bittgottesdienst ökumenisch gestaltet war, da die örtliche katholische Kirche keine eigene vergleichbare Veranstaltung organisiert hatte, berichtete Pfarrer Helmut Zeller: „Hätten wir den Bittgottesdienst nicht gehalten, hätte uns etwas gefehlt.“ Darüber hinaus wurden in allen Kirchengemeinden − auch denjenigen, die nicht am 18. Oktober Bittgottesdienste durchführten − die Ereignisse in den Sonntagsgottesdienst vor und nach diesem Termin in Predigten und Fürbittgebeten oder in Gemeindekreisen unter der Woche thematisiert. (LkA KA, 043. Ladenburg-Weinheim, Nr. 287)
Die erwähnten Unterlagen sind im Zuge der Verzeichnung von Altakten des Dekanats Ladenburg-Weinheim zu Tage getreten. Der Bestand lagert im Magazin des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe und kann von interessierten Nutzern unter Wahrung der Schutzfristen während unserer Öffnungszeiten eingesehen werden. Ein Findbuch des Bestands ist als PDF-Datei zum Download auf unserer Homepage verfügbar.




