Community der Autorinnen und Autorinnen von Ortsfamilienbüchern traf sich im Rahmen einer Tagung
„Gemeinsam einsam?“ – unter diesem Thema fand am 29. November 2019 eine vom Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe veranstaltete Tagung für Verfasserinnen und Verfasser badischer evangelischer Ortsfamilienbüchern (OFB) im Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe statt.
Aus diesem Kreis heraus war der Wunsch nach einer derartigen Zusammenkunft entstanden. Immerhin wird derzeit – nach unseren Informationen – an 153 badischen evangelischen Ortsfamilienbüchern gearbeitet, darunter 20 Neuauflagen, sei es als Arbeitsgruppe oder Einzelkämpfer. Mit etwa 50 Teilnehmenden wurden etliche Facetten, die im Zusammenhang mit der Entstehung eines Ortsfamilienbuches stehen, zur Sprache gebracht.
Nach einer Begrüßung der Teilnehmenden durch KR Dr. Udo Wennemuth im Namen des Evangelischen Oberkirchenrats und einer Einführung durch Heinrich Löber, dem Bereichsleiter des Archivs, berichtete zunächst der langjährige Vertreter der IG Badischer Ortssippenbücher, Klaus Siefert aus Lahr, davon, wie er angeregt durch Albert Köbeles genealogische Forschungen von klein auf mit dieser Art genealogischer Arbeit vertraut war und diese als dessen Nachfolger bis heute fortführt.
Als ein Verfasser württembergischer Kirchenbuchabschriften skizzierte Jörg Heinrich, Berlin, sehr anschaulich Fallstricke und Stolperfallen bei der Transkription von Kirchenbüchern. Anhand von Beispielen seiner jahrelangen Arbeit an den Klein- und Großheppacher Kirchenbüchern konnte er ein Problembewusstsein, aber auch Wege aufzeigen, Lösungen zu finden und sich von „Unwegbarkeiten“ nicht entmutigen zu lassen.
Der Berufsgenealoge und Rezensent südwestdeutscher OFBs, Friedrich Wollmershäuser, Oberdischingen, ging der Frage nach „Was soll ein OFB bieten?“. Als ein ausgewiesener Kenner der Materie, der allein in den SWDB 2019 sieben OFBs rezensierte, äußerte er seine Sicht auf ein „gutes OFB“, betonte aber die Freiheit der Autoren. Sein Appell galt der zuweilen wenig beachteten konfessionellen Gegebenheiten: Wenn jemand in einem Kirchenbuch nicht nachgewiesen ist, heißt das noch lange nicht, dass er nicht ortsansässig war, sondern vielleicht als Reformierter in einem lutherischen Ort andernorts „versorgt“ wurde. Gleiches gilt für jemanden, der vielleicht 60 Jahre ortsansässig war, aber, weil keine Kasualhandlung stattfand, er in den Standesbüchern (natürlich) nicht nachweisbar ist. Auch nannte Wollmershäuser ein gutes Beispiel für ein immer wiederkehrendes Aufführen ein und derselben Familie mit unterschiedlichen Namen im südbadischen Raum, die der offiziellen und der mundartlichen Schreibweise geschuldet ist: Wagner = Wangler und Steinhart = Steyert. „Entscheiden Sie sich bitte für eine Variante und nennen Sie die andere!“.
Susanne Breuel, Weißenthurm, beleuchtete als Geschäftsführerin des Cardamina-Verlags technische, rechtliche und finanzielle Fragen der Veröffentlichung eines OFB. Dabei brach sie eine Lanze für das Medium Buch und stellte das Angebot einer Drucklegung auf Bestellung (Book-on-Demand) Ihres Verlages vor.
Unterschiedliche Möglichkeiten des Auffindens und der Auswertung von Quellen jenseits der Primärquelle der Kirchenbücher zeigte Konstantin Huber, Pforzheim, am Beispiel „seines“ Archivs, des Kreisarchivs des Enzkreises, auf: Standesbücher, Genealogennachlässe (z. B. Ernst Hahner), Personalakten, Musterungslisten, Auswanderungsakten, Inventare von Nachlass- und Vormundschaftsakten, Lagerbücher, Beraine sowie Steuerbücher bilden Quellengattungen, in denen sich Angaben finden lassen, die ein weitgefassteres Bild eines Menschen, einer Familie geben können.
Den Abschluss machte Gilberg Goodwin, Stuttgart, indem er die Bestände des Archivs und der Bibliothek des Vereins für Familienkunde in Baden-Württemberg (VFKBW) vorstellte. Goodwin gab zu bedenken, dass man das Rad nicht in jedem Fall neu erfinden müsse, sondern zunächst die zahlreichen Hinterlassenschaften anderer zur Kenntnis nehmen solle (Ortschroniken, Festschriften, Nachlässe usf.).
Es ist gedacht, die Beiträge dieser Tagung zu veröffentlichen.
- Karte der Landeskirche mit Nadeln auf den Orten, die ein OFB aufweisen (grün), für die ein OFB in Bearbeitung (rot) oder in Neuauflage begriffen ist (gelb)
- Klaus Siefert
- Friedrich Wollmershäuser
- Jörg Heinrich
- Das Plenum lauscht Susanne Breuel und ihrer Kollegin
- Konstantin Huber
- Gilbert Goodwin und Heinrich Löber (v.r.)











