Gedächtnis an gefallene Gemeindeglieder
Vom Pfarrer verfasster Lebenslauf von Hermann Bühn [LkA KA, 044. Oberöwisheim, Nr. 191]
Während des I. Weltkriegs verloren viele Millionen Menschen ihr Leben. Die Erinnerungen an sie verblassten in den letzten 100 Jahren nach und nach.
Pfarrer Schweikhart (1875-1945; 1910-1926 Pfarrer in Oberöwisheim) gedachte den gefallenen Gemeindegliedern bei Gottesdiensten und erzählte über deren Leben. Übrigens wurde der Pfarrer selbst Weltkriegsopfer: In den letzten Kriegstagen starb er bei einem Luftangriff auf Gochsheim am 7. April 1945.
Diese Lebensläufe sind im Pfarrarchiv vorhanden. Ein Beispiel ist der Lebenslauf von Hermann Bühn aus dem Jahr 1917:
Lebenslauf
Unser entschlafener christl. Mitbruder Hermann Friedrich Bühn wurde hier geboren am 8. Jan. 1894 und am 16. dess. Mts. & Js. dem dreieinigen Gott in der hl. Taufe übergeben. Seine Eltern sind der hiesige Bürger & Maurer Karl Bühn & dessen + erste Ehefrau Christine geb. Knosp.
Vom 6.–14. Lebensjahr besuchte der Entschlafene die hiesige Volksschule & wurde am Sonntag Judika, den 5. April 1908, in dieser Kirche konfirmiert. Nach seiner Schulentlassung diente er 2 Jahre lang hier im Gasthaus zum Schwanen, dann arbeitete er an verschiedenen Orten als Hausknecht, zuletzt in Trebur bei Mainz.
Von dort wurde er am 5. Juli 1915 nach Darmstadt zum Militär einberufen. Nach einigen Wochen kam er auf den Truppenübungsplatz Grießheim bei Darmstadt & nicht lange darauf ins Feld auf den westlichen Kriegsschauplatz, wo er der 3. Komp. des Inf.-Reg. Ner 398 zugeteilt wurde.
Noch am gleichen Tag, an welchem sein Arzt mir diesen Brief schrieb, ist der Patient seinem Leiden erlegen. Am Dienstag, den 18. Sept., traf die […] Nachricht ein, daß Hermann am 17. Abends sanft entschlafen sei. Erst einige Tage darauf traf der vorhin erwähnte Brief des Oberarztes ein, fast gleichzeitig mit einem Schreiben des Lazarettinspektors, in dem die näheren Umstände des Todes angegeben sind. Es heißt darin: „Er wurde am 3. Sept. schwer verwundet am rechten Oberschenkel eingeliefert. Es trat eine schwere Lungenentzündung hinzu, welche wohl der Hauptgrund seines Todes war. Der Pfarrer spendete ihm den letzten Segen. Sein Grab befindet sich in Pierrepont auf dem Soldatenfriedhof unter Nr. 140, welches von Kameraden hübsch geschmückt wird. So ruht also seine sterbliche Hülle inmitten vieler Kameraden zwar in fremder, aber in geweihter Erde & schlummert dem großen Auferstehungsmorgen entgegen. Am 28. Sept. erhielt die Eltern des Entschlafenen das eiserne Kreuz II. Klasse, welches ihrem Sohne nicht mehr ausgehändigt werden konnte. In dem Begleitschreiben heißt es: „Er war schon früher zu der Auszeichnung eingereicht, leider war es ihm nicht vergönnt, die Freude noch zu erleben. Die Komp. bedauert sehr den Verlust seines so lieben & braven Kameraden.“ Seine irdische Wallfahrt brachte der Entschlafene auf 23 Jahre, 8 Monate und 9 Tage. Er ruhe in Frieden & und das ewige Licht leuchte ihm!






