Am Anfang nicht erwünscht. Zur Geschichte des Theologischen Studienhauses Heidelberg

28. November 2019 | | ,

Aller Anfang ist schwer! So ging es auch Dr. Ludwig Lemme, Professor für Systematische Theologie, im Jahre 1891 mit seiner Idee, ein Haus für Theologiestudenten zu gründen, in dem diese miteinander leben, lernen und sich austauschen können. Er selbst hatte während seiner Studienzeit die Förderung durch ein anderes Haus, wo er auch acht Jahre als Konviktsinspektor tätig war, erfahren und positiv in Erinnerung.

Vom Großherzog von Baden zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen wird sein Anliegen auf staatliche Unterstützung aber durch liberale Kräfte abgelehnt; auch die Landeskirche lässt ihn im Stich.

1917 schließlich wird anlässlich des 70. Geburtstages von Dr. Ludwig Lemme der Verein „Theologisches Studienhaus in Heidelberg“ e.V. von einflussreichen Männern der kirchlich–positiven Vereinigung in Baden gegründet, die er zuvor von seinem Projekt überzeugt hatte. Durch Gaben, Stiftungen und Spenden, darunter 50.000 Mark des Freiherrn Krupp von Bohlen und Halbach aus Essen, sowie angeregt durch seinen früheren Freund und Pfarrer Hermann Gilg aus Heidelberg und Mitglieder der Kirchlich-Positiven, konnte der Verein auch ohne jegliche andere Unterstützung im Frühjahr 1918 ein Anwesen in Heidelberg erwerben. In der Neuenheimer Landstraße 34 konnten so zum Wintersemester 1918/19 die ersten sechs Studenten in das Studienhaus, das Allen unterschiedslos offenstehen sollte, einziehen. Es war vollbracht!

In seiner nunmehr über 100jährigen Geschichte haben das Haus sowie seine Bewohner und Mitarbeiter einiges erleben dürfen und müssen: Zunächst die Inflation, dann die Zeit der NS–Diktatur und der II. Weltkrieg sowie die schweren Jahre der Nachkriegszeit. Des Weiteren die allgegenwärtige Sorge um den Unterhalt des Hauses und das Ende des alten Hauses im Frühjahr 1965 wegen Einsturzgefahr durch Bergrutsch und dem schließlichen Abriss des Gebäudes.

Nach siebenjähriger Unterbrechung wegen Planung und Neubebauung eröffnete am 13.07.1973 ein jetzt größeres, moderneres, mit Bibliothek und Mehrzwecksälen sowie einer Sauna ausgestattetes Studienhauses für 60 Studenten.

Dann der Schock – erneut rutscht der Berg und das Studienhaus muss  1979 bis 1981 erneut geschlossen werden, um Absicherungsmaßnahmen durchführen zu können.

Ein ganz neues Konzept wird 1999 beschlossen. Es sieht vor, dass das Theologische Studienhaus und das Predigerseminar Petersstift zukünftig gemeinsam unter einem Dach sein sollen. Dazu wird von 2000 bis 2002 das Peterstift aus- und umgebaut. Mit dem Einzug ins Moratha–Haus, Neuenheimer Landstraße 2, ging es nun in eine neue Zeit und die Landeskirche hatte sich mit der Einrichtung in Heidelberg mittlererweile auch anfreunden können!

Neben Protokollen, Schriftverkehr und Berichten, Schadensmeldungen und Rechnungen gibt es aber auch Unterlagen zur Baugeschichte mit Plänen und Bildern. Arbeitsverträge, Zeugnisse und Bescheinigungen für Mitarbeiter und Praktikanten des Hauses sind ebenso vorhanden wie Festschriften zum zehnjährigen Bestehen des Vereins und zur Neueröffnung des Hauses 1973. Außerdem im Bestand gibt es jeweils eine maschinenschriftliche Kopie einer Vorlesung zum Thema „Der Begriff der Natur und seine Geschichte 1“, gehalten von Georg Picht im Wintersemester 1973/74, sowie Teil 2 gehalten von Gerhard Liedke im Sommersemester 1974.

Insgesamt hat der Bestand „Theologisches Studienhaus in Heidelberg“ eine Laufzeit von 1917 bis 2001 und einen Umfang von 1,8 lfden Metern. Recherchierbar ist der Bestand auch durch ein Onlinefindmittel.