Schwarz-weiße Impressionen aus der Kirchengeschichte des Eggenertals
Das Christentum hat im Eggenertal erstmals im Mittelalter Fuß gefasst. Davon zeugt z.B. die 1132 in Obereggenen eingeweihte Kirche, deren Alter aber durch die Niedereggener Kirche in den Schatten gestellt wird. Nach einem denkmalpflegerischen Befund aus dem Jahr 1965 sei die älteste Bausubstanz dieses Sakralbaus zeitlich sogar im 10. oder 11. Jahrhundert zu verorten. Deren Turm, der gegen 1200 als Wehrturm im romanischen Stil ausgebaut wurde, ist damit einer der ältesten Kirchtürme am Oberrhein.
Ganz so weit in die Vergangenheit reichen die Unterlagen aus den Pfarrarchiven von Nieder- und Obereggenen nicht zurück, die in den letzten Monaten über die Schreibtische des Landeskirchlichen Archivs gingen. Aber sie bieten doch interessante und aufschlussreiche Erkenntnisse über das Wirken der mittlerweile mit Feldberg in der „Kirchengemeinde Eggenertal-Feldberg“ aufgegangenen Pfarreien in den vergangenen Jahrhunderten. In diesem Beitrag sollen bildliche Überlieferungen aus beiden Beständen aus dem frühen 20. Jahrhundert kurz vorgestellt werden.
Im Pfarrarchiv Niedereggenen findet sich ein Gruppenfoto eines unbekannten Fotografen aus dem Jahr 1902. Es ist entstanden, als das Orchester des evangelischen Jugendbunds Lörrach Pfarrer Karl Maler (1869-1951) ein Ständchen gegeben hat. Dieser hatte die Pfarrstelle Niedereggenen erst im selben Jahr bezogen. Auf dem Bild sitzt der damals 32-jährige Pfarrer Maler links in der ersten Reihe vor den sich zuprostenden Musikanten. Nachdem er die Kirchengemeinde Niedereggenen 1909 verließ, machte er weiter Karriere in der Landeskirche. So wirkte er u.a. noch als Dekan im Kirchenbezirk Mannheim (1927-1935) und wurde 1928 zum Kirchenrat ernannt.
Aus dem Pfarrarchiv Obereggenen sollen hier gleich zwei Fotos besprochen werden. Sie stammen aus dem Jahr 1917 und zeugen von der Beschlagnahmung von zwei Kirchturmglocken, die zur Verwendung im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurden. Neben der Abnahme der Glocken per Seilzug auf einem der Bilder sieht man auf dem zweiten Foto die Pioniere, die den Ausbau durchgeführt haben neben den beiden beschlagnahmten Glocken sowie einen vermutlich ortsansässigen Jungen und Hund. Einer der Pioniere war es auch, der die Fotos gemacht hat. Es kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass dies die letzten Aufnahmen dieser beiden Glocken vor ihrer Einschmelzung sind.
Die Kirchengemeinde Obereggenen verfügte in der Folge lediglich über eine Glocke bis 1921 wieder auf drei Glocken aufgestockt werden konnte. Diese blieben aber ebenfalls nur vergleichsweise kurze Zeit im Kirchturm, denn ebenso wie die auf dem Bild zu sehenden Vorgängerinnen sind die Glocken der Obereggener Kirche im Zweiten Weltkrieg erneut beschlagnahmt und eingeschmolzen worden.
Die bearbeiteten Archivbestände sind am 15. Dezember 2021 wieder zur dauerhaften Aufbewahrung in die Obhut der Kirchengemeinde Eggenertal-Feldberg übergeben worden. Die Findbücher für die Pfarrarchive Nieder- und Obereggenen können aber auch auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs im PDF-Format eingesehen werden.
Die Glocken fallen auch in Obereggenen dem Weltkrieg zum Opfer (17.07.1917) [044. Obereggenen, Nr. 75]







