175 Jahre Talitha Kumi (Beit Jala) und 125 Jahre Deutsches Evangelisches Institut Jerusalem. Bericht von Jakob Eisler
Bei meiner Reise nach Israel in diesem Jahr besuchte ich auch Jerusalem, den Gründungsort der ersten deutschen Mädchenschule Talitha Kumi, die in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feiert. Anlässlich dieses Jubiläums wählte das Archiv der „Evangelischen Kirche in Baden und Württemberg“ rund zwei Dutzend Aufnahmen aus seinen Fotobeständen zum Heiligen Land aus. Diese wurden in der heutigen Schule Talitha Kumi in Beit Jala (Palästinensisches Autonomiegebiet) präsentiert.
An den Feierlichkeiten nahmen auch Dr. Andreas Götze, Leiter des Zentrums Ökumene der EKD, sowie Frau Sybille Möller-Fiedler, stellvertretende Vorsitzende des Jerusalemsvereins zu Berlin, teil. Sie gestalteten die Veranstaltung unter anderem mit einem Quiz.
Am 5. Oktober leitete ich eine Führung, die vom Damaskustor aus startete. Wir besichtigten dabei nicht nur evangelische, sondern auch deutsche katholische Einrichtungen wie das Paulushaus von 1910 und die Schmidtschule. Anschließend führte unser Weg zum ehemaligen Wohnhaus des Bankiers Johannes Frutiger in der Prophetenstraße. Sein Bankhaus galt als wichtiger finanzieller Unterstützer zahlreicher deutscher protestantischer und karitativer Einrichtungen, darunter Johann Ludwig Schnellers Syrisches Waisenhaus, die Diakonissenschule Talitha Kumi (Jerusalem) sowie verschiedene Projekte des württembergischen Baumeisters Conrad Schick.
Auch Conrad Schicks Wohnhaus, das heutige Schwedische Theologische Institut, konnten wir von innen und außen besichtigen. Schick zählt zu den bedeutendsten Gestaltern des modernen Jerusalems. Er plante und errichtete zahlreiche Gebäude für Juden, Christen und Muslime. Als erster Forscher erhielt er die Genehmigung, detaillierte Zeichnungen des Tempelbergs anzufertigen. Darüber hinaus schuf er im Laufe seines Lebens mehrere Holzmodelle, die den Tempelberg in verschiedenen Epochen darstellen: von den biblischen Zeiten über die Herrschaft Herodes‘ bis hin zum Zustand des Berges und seiner Bauten im 19. Jahrhundert.
Am Nachmittag besuchten wir die ehemalige württembergische Templerkolonie Ha-Moschava Ha-Germanit. Wir besichtigten das Deutsche Gemeindehaus sowie die Wohnhäuser zahlreicher Kolonistenfamilien, darunter Aberle, Imberger, Paulus, Eppinger, Sandel, Fauser, Rohrer und Fast. Anschließend besuchten wir kurz das Deutsche Hospiz („Die Pilger-Herberge“) der katholischen Borromäusschwestern, bevor wir zum Templerfriedhof weitergingen. Wir betrachteten die Grabsteine und erinnerten uns an einige der bedeutenden Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Über die Friedhofsanlage, die bis heute von der Tempelgesellschaft in Stuttgart-Degerloch vorbildlich gepflegt und erhalten wird, hatten wir 2023 eine rund 400 Seiten umfassende Dokumentation veröffentlicht.
Am 6. Oktober versammelte sich die deutsche Gemeinde in der Erlöserkirche. Pfarrerin Ines Fischer hatte zu einem Vortrag eingeladen. Vor rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörern konnte ich über die Entstehung der Deutschen Evangelischen Gemeinde im Heiligen Land sprechen. Unter den Gästen befanden sich auch mehrere Patres der Dormitio-Abtei.
Am darauffolgenden Tag trat ich die Rückreise nach Württemberg an.
- Talitha Kumi Ausstellung
- Veranstaltung in Jerusalem
- Erlöserkirche Jerusalem
- Erlöserkirche Jerusalem
- Johanniterhospiz Jerusalem
- Conrad Schicks Wohnhaus (Innenhof)
- In Jerusalem entstehen auf dem Ölberg ein neues Museum und Begegnungsort
- Eingang zur Himmelfahrtskirche der Auguste-Victoria-Stiftung












