Innenstadtgemeinden Pforzheim – Folge II. 1.: Stadtpfarrei

5. Dezember 2022 | | ,
 (Fortsetzung vom 28.11.2022)

Die Stadtkirche Pforzheim musste im Laufe ihrer Geschichte viele Schicksalsschläge erdulden. Ab 1566 diente die ehemalige Dominikanerkirche als Stadtkirche. Diese wurde während der Orleans’schen Kriege im Jahr 1689 jedoch zerstört. Ein Neubau konnte 1721 eingeweiht werden. Jedoch sollte diese neue Kirche nicht lange stehen. Bereits 68 Jahre später (1789) brannte die Kirche nieder. Es dauerte ein Jahrhundert bis alle Verhandlungen zu Bauplatz, Finanzierung und Gestaltung des Gebäudes geklärt werden konnten. Diese 1899 erbaute „neue“ Stadtkirche prägte das Stadtbild Pforzheims. Doch auch dieses Mal wurde die Kirche wieder Opfer eines Kriegs: Die Pforzheimer Schicksalsnacht des 23. Februars 1945 legte auch die Stadtkirche erneut in Trümmer. Besonders dabei ist jedoch, dass das Kruzifix der Kirche, welches noch aus der ehemaligen Dominikanerkirche stammte, alle Katastrophen überstand und zum Zeitpunkt der Neueinweihung der Stadtkirche in der Auferstehungskirche Pforzheims zu finden war.

1901 entstand in Pforzheim die so genannte Stadtpfarrei V. Deren Einzugsgebiet umfasste die Pforzheimer Südstadt, die zuvor zur Altstadtpfarrei gehörte, wodurch sie den Namen „Südpfarrei“ erhielt. Zudem umfasste das Gebiet auch den Buckenberg. Dieser wurde 1926 abgelöst und der neugegründeten Buckenberggemeinde zugeordnet. Während des Bombenangriffs am 23. Februar 1945 kam Pfarrer Paul Rössger (1892-1945) zusammen mit seiner Frau und zwei seiner Kinder, wie so viele andere Pforzheimer Bewohner, ums Leben. Da es keine Kirche und keinen Pfarrer mehr gab, wurden die wenigen überlebenden Gemeindemitglieder von den umliegenden Gemeinden mitbetreut. Erst 1950 kam mit Adolf Würthwein (1911-1991) ein neuer Pfarrer in die Südpfarrei.
Durch diverse Veränderungen der Gemeindegrenzen in Pforzheim, besonders nach dem II. Weltkrieg, wurde am 1. Mai 1954 die Melanchthonpfarrei gegründet. Diese befand sich mitten in der zerstörten Innenstadt von Pforzheim. Der erste Pfarrverweser schrieb im ersten Visitationsbericht, dass der Blick aus dem provisorischen Pfarrhaus über ein Trümmerfeld ging. Durch den raschen Wiederaufbau der Pforzheimer Innenstadt kam es zu großen Zuzügen. Viele der neuen Pforzheimer Bewohner waren Flüchtlinge und Vertriebene. Für diese vielen Menschen musste eine neue Gemeinde gegründet werden. Das Gebiet der neuen Melanchthonpfarrei umfasste das der ehemaligen Mittelstadt- und Sedanpfarrei. Diese neue Zuteilung schien Probleme mit sich zu bringen, da sich die Bewohner des Sedanviertels eher der Auferstehungskirche zugehörig fühlten. Dies konnte jedoch durch die Neugründung der Petrusgemeinde 1966 behoben werden. Hier gilt zu erwähnen, dass die Melanchthonpfarrei (ehemalige Westpfarrei) ab dem 1. September 1966 in Petruspfarrei und die unbesetzte Sedanpfarrei zu Melanchthonpfarrei umbenannt wurden. Fortsetzung folgt …
Stadtkirche Pforzheim im zerstörten Zustand
Stadtkirche Pforzheim: Seitenansicht  über die Enz mit Fassaden- und Turmruine (ca. 1952) [LkA KA, 154., Nr. 778/4]