Ein Leben für die Kirche: Abschluss der Nachlassbearbeitung von Kirchenpräsident Klaus Wurth (1861-1948)

8. Dezember 2022 | | ,

Eine der Wurthschen Veröffentlichungen (1940) [LkA KA, 150.120, Nr. 66]

Kennkarte von Klaus Wurth mit Fingerabdrücken, ausgestellt am 20.09.1946 vom Polizeiamt Bretten [LkA KA, 150.120, Nr. 91]

Nach mehrmonatiger Bearbeitung konnte nun der Nachlass von Klaus Wurth, übergeben im Laufe des Jahres durch seine Urenkelkinder, vollständig erschlossen und somit der Nachwelt auf alle Zeit zur Verfügung gestellt werden. In diesem Nachlass lässt sich zweifelsfrei erkennen, dass die Landeskirche und das Wohl ihrer Kirchengemeinde den Lebensmittelpunkt des früheren Kirchenpräsidenten bildeten.
Klaus Wurth wurde am 1. Dezember 1861 in Dundenheim geboren. Nach dem Theologiestudium in Heidelberg und Marburg folgten zunächst Anstellungen als Vikariat in Epfenbach und Weingarten, ehe er Pastorationsgeistlicher in Triberg wurde. Im Anschluss war er von 1894 bis 1906 in Liedolsheim tätig, zunächst als Pfarrverwalter und dann über zehn Jahre als Pfarrer. Letztere Tätigkeit übte er anschließend bis 1906 in Bretten aus. Ebenso war er seit 1895 als Mitarbeiter des „Korrespondenzblattes für die Evangelische Konferenz in Baden“ (bzw. „Kirchlich-Positive Blätter für Baden“) aktiv, wobei er 1904 die Aufgabe des Schriftleiters übernahm. Von 1911 bis 1924 war er Vorsitzender der Evangelischen Konferenz (ab 1920: Kirchlich-Positive Vereinigung) und ab 1914 war er Mitglied der Generalsynode bzw. Landessynode. 1920 wurde er Mitglied der Kirchenregierung und im darauffolgenden Jahr wurde er Kirchenrat. 1924 wurde Wurth schließlich zum Kirchenpräsidenten gewählt und trat 1933 von diesem Amt zurück. Dennoch blieb er bis zu seinem Tod 1948 kirchenpolitisch aktiv und äußerte sich immer wieder zu aktuellen Thematiken. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde sein Zuhause zweimal ausgebombt, weshalb gewiss einige interessante Quellen verloren gingen.
Der übergebene Nachlass besteht zu einem beachtlichen Teil aus handgeschriebenen, teilweise stenografischen Predigten, privater und beruflicher Korrespondenzen, selbstverfassten Ausarbeitungen – bspw. einem Lebenslauf, v. a. auch zu  kirchenpolitischen Themen – sowie Veröffentlichungen und deren Manuskripte. Der Nachlass beinhaltet zudem Urkunden und Zeugnisse, Unterlagen zu seinem Tod sowie Zeitungsartikel, zeitgenössisch als auch rezeptionsgeschichtlich. Außerdem sind Ausweise, Bankunterlagen sowie eine Büste (Otto Schneider, 1933) Bestandteile des Nachlasses.

Daneben sind einige Akten besonders hervorzuheben, wie etwa eine von den Besatzungsmächten ausgestellte Kennkarte (1946), Druckveröffentlichungen Wurths wie z.B. „Was die evangelische Mutter ihre Kinder lehrt“, was eine theologisch-pädagogische Anleitung zur Erziehung ist, von der Kirchenregierung ausgehändigte Urkunden sowie Briefe von Max von Baden, Großherzog Friedrich I. und Viktoria von Baden, damalige Königin Schwedens.

Der Nachlass „Klaus Wurth“ (Bestand 150.120) kann nun im Findmittel online recherchiert und im Lesesaal eingesehen werden. Allerdings wurden die darin enthaltene Bildwerke in Bestand 154., Fotos und Bilder, aufgenommen.