Gerettet!

10. Februar 2022 | | ,

Kirchengeschichte des Bauschlotter Pfarrers Zandt (1709) [LkA KA, 044. Bauschlott, Nr. 29]

Bauschlath Hailigen Legerbuch. Ernewert Inn Anno Domini 1607 [LkA KA, 044. Bauschlott, Nr. 33]

Das Archiv der evangelischen Kirchengemeinde Bauschlott kam nach einem Hilferuf der Sekretärin im Oktober 2021 nach Karlsruhe, um bearbeitet zu werden. Das Pfarrhaus mit Pfarrbüro soll saniert werden und bei den Räumungsarbeiten fanden sich in einem Schrank unter der Treppe alte Rechnungsbände. Diese waren in keinem guten Zustand. Im Laufe der Zeit hatte sich Schimmel, angezogen durch die Feuchtigkeit, dem engen Raum im Schrank und der Dunkelheit, in den gebundenen Akten eingenistet und ausgebreitet.

Nach Sichtung der Lage und Akten beschloss man in Karlsruhe, diese Unterlagen zu retten. Und das war ein Glück. Es zeigte sich, dass die Unterlagen eine fast vollständige und 200jährige Abrechnung des Heiligen Johannesfonds – gebildet, um das Kirchengebäude zu unterhalten – von 1719 bis 1918 aufwiesen. Lediglich die Jahre 1813, 1862 und 1910-1915 sind nicht überliefert. Im Jahr 1746 richtete die Gemeinden den Almosenfonds ein, dessen Rechnungsunterlagen ebenfalls fast vollständig vorhanden sind.

Highlight des Bestands bildet jedoch das 415 Jahre alte Heiligen Lagerbuch, welches auf 1607 datiert ist (Nr. 33).

Bauschlott findet seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1071 im Kloster Lorsch. Nach vielen Schenkungen, Erbschaften und Verkäufen fand die bis dahin katholisch geprägte Gemeinde ihren Weg in die lutherische Markgrafschaft Baden-Durlach. 1581 kommt der erste evangelische Pfarrer, Daniel Schrötlin (1556-1623), nach Bauschlott. Über seine Einsetzung findet sich ebenfalls ein Bericht im Bestand, welcher 1709 von Pfarrer Johann Georg Zandt (um 1640 – 1714) verfasst wurde (Nr. 29).
Das Archiv der evangelischen Gemeinde Bauschlott gehört mit seiner Vollständigkeit zu den eher seltenen Fällen. In den meisten Gemeinden haben spätestens die Ereignisse aus den beiden Weltkriegen die historischen Unterlagen zerstört, sofern die Gemeinden überhaupt auf eine derart lange Historie zurückblicken können.
Das Pfarrarchiv ist bearbeitet und kann anhand eines Findbuchs online recherchiert werden.

Hier war das Archiv gelagert. Das Pfarrhaus Bauschlott wurde 1765 erbaut und 1958 renoviert (Jan. 1985) [LkA KA, 166., Nr. 1703]