Dass Pfarrerinnen heute ganz selbstverständlich und gleichgestellt in der badischen Landeskirche arbeiten können, verdanken wir u. a. Doris Faulhabers unermüdlichem Engagement. Jahrzehntelang setzte sie sich für die Rechte von Theologinnen, die Ordination von Frauen und schließlich die Gleichstellung im Pfarramt ein. Sie war dabei nie die erste, die die entscheidenden Schritte gehen konnte. Ihr selbst blieb der große Wunsch – das Gemeindepfarramt – verwehrt. Und doch trug sie wohl wie keine andere dazu bei, dass die rechtlich legitimierte Diskriminierung von Frauen in der Evangelischen Landeskirche in Baden 1971 nach mehr als 50 Jahren beendet wurde.
Doris Faulhaber mit ihrer Mutter Paula (Tiengen, 1921) [LkA KA, 154., Nr. 45/1]
Doris Faulhaber wurde 1907 in Mannheim-Rheinau geboren und wuchs in Mannheim auf. Dort prägte sie der Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Ernst Lehmann (1861-1948) und der Kontakt zum Bund Deutscher Jugendvereine (später Bund Christdeutscher Jugend – BDJ), dem sie lebenslang verbunden blieb. Im Mädchenkreis der Lutherkirche Mannheim lernte sie die Theologinnen Grete Gillet (1895-1970) und Maria Heinsius (1893-1979) kennen und beschloss, trotz schlechter Zukunftsperspektive, nach dem Abitur Theologie zu studieren. Ab 1926 studierte Faulhaber in Heidelberg, Tübingen und Münster evangelische Theologie. Im Oktober 1929 legte sie das 1. theologische Examen vor dem Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe ab, ein Jahr später absolvierte sie auch das 2. theologische Examen. Nach einer Aushilfstätigkeit im Jugend- und Wohlfahrtsdienst in Karlsruhe und kurzer Zeit als Pfarrgehilfin in Mannheim-Waldhof promovierte Faulhaber bei Martin Dibelius (1883-1947) zum Kirchenbegriff im Johannesevangelium (1932-1935). Anschließend war sie in Freiburg und Mannheim als Religionslehrerin und Krankenhausseelsorgerin tätig.
Während des 2. Weltkrieges übernahm Doris Faulhaber in Mannheim immer mehr Aufgaben von an der Front befindlichen Pfarrer. Ab 1942 war sie alleine für Krankenhausseelsorge zuständig und versah die Pfarrvertretung in der Kirchengemeinde Mannheim-Wallstadt. Im Januar 1944 wurde Faulhaber mit acht weiteren Theologinnen zum Dienst als Vikarin eingesegnet.
Nach dem Krieg musste Doris Faulhaber, wie alle badischen Vikarinnen, ihre Stelle in der Gemeinde und der Krankenhausseelsorge wieder abgeben. Schweren Herzens entschied sie sich, dauerhaft in den Schuldienst zu treten. Von 1946 bis zu ihrer Pensionierung 1969 war sie als Religionslehrerin am Mannheimer Liselotte-Gymnasium tätig.
Mit ihrer ehemaligen Schülerin und späteren Kollegin Hilde Bitz verband Faulhaber eine mehr als vier Jahrzehnte überdauernde „Lebens-, Arbeits- und Wohngemeinschaft“ (Hilde Bitz an Irmtraud Bankes, 16.09.2008; 150.113, Nachlass Bitz, Nr. 378).
Bereits zu Studienzeiten setzte sich Doris Faulhaber für die Rechte der Theologinnen ein. Dieses Thema sollte sie ihr ganzes Leben begleiten. Nach der Einführung von Richtlinien zur Verwendung der Pfarrkandidatinnen im kirchlichen Dienst 1930 forderte sie deren Umsetzung immer wieder ein. Als Mitglied im Konvent der Theologinnen in Deutschland sowie als Vertrauensvikarin des badischen Theologinnenkonventes vernetzte sie sich deutschlandweit mit anderen Theologinnen, um dem Erreichen ihres Zieles, das gleichberechtigte Pfarramt für Frauen, näher zu kommen.
Badischer Theologinnenkonvent in Neckargemünd (20.07.1958) – Faulhaber (mi.) berichtet von einer oberkirchenrätlichen Verlautbarung [LkA KA, 154., Nr. 1259/2]
Als badische Konventssprecherin hielt sie Kontakt zu den badischen Theologinnen und zur Kirchenleitung. Sie verfasste zahlreiche Eingaben an die Landessynode und trug den Entscheidungsträgern die Anliegen der Theologinnen vor. Ohne ihre Arbeit wären die vielen kleinen Schritte zum gleichgestellten Pfarramt (Ordination statt Einsegnung 1958, Titel „Pfarrerin“ 1962) in Baden womöglich noch später gegangen worden.
Nachdem Doris Faulhabers Bemühungen um die Gleichstellung im Pfarramt in Baden im Frühjahr 1971 durch Beschluss der Landessynode zum Abschluss kamen, übernahm Hilde Bitz (1929-2017) im Dezember 1971 als erste badische Pfarrerin offiziell ein Gemeindepfarramt . Doris Faulhaber zog mit ihr „als Pfarrfrau“ in die Mannheimer Paul-Gerhardt-Gemeinde.
Bis zu ihrem Tod am 17. Juli 1991 lebte Doris Faulhaber mit Hilde Bitz in der gemeinsamen Wohnung in Mannheim. Beide sind in einem Grab auf dem Mannheimer Hauptfriedfhof beigesetzt.
Doris Faulhaber und Hilde Bitz bei einer Tagung des (ehemaligen) Bundes Christdeutscher Jugend (BJD) auf der Aschenhütte (Sept. 1984) [LkA KA, 154., Nr. 1258/1]
Hilde Bitz bewahrte den Nachlass von Doris Faulhaber auf und sortierte ihn teilweise. Nach ihrem Tod gelangte er ins Landeskirchliche Archiv. Er gewährt Einblick in ihr theologisches Denken und Arbeiten, aber auch in ihr Privatleben. So befinden sich im Nachlass einige Fotoalben, z. B. mit Bildern aus Doris Faulhabers Kindheit und Jugend. Zahlreiche Einzelfotos wurden der Foto- und Bildersammlung (Bestand 154.) hinzugefügt, darunter auch stimmungsvolle Aufnahmen des badischen Theologinnenkonventes. Neben Notizen zu Schwesternabenden, Bibelarbeiten, Vorträgen und Aufsätzen gibt v. a. das erhaltene Unterrichtsmaterial wertvolle Einblicke in Doris Faulhabers berufliches Wirken.
Ihr Einsatz für die Frauenordination und die Gleichstellung im Pfarramt ist durch eine umfangreiche Sammlung belegt. Hierin finden sich u.a. gesetzliche Regelungen von nahezu allen westdeutschen evangelischen Landeskirchen, Unterlagen des Konvents Evangelischer Theologinnen in Deutschland und des badischen Theologinnenkonvents. Spannende Einblicke gewährt zudem die zahlreich erhaltene Korrespondenz mit deutschen Theologinnen. Allein aus dem Briefwechsel mit der badischen Theologin und Pfarrerin Grete Gillet sind mehr als 200 Schriftstücke erhalten.
Der Nachlass von Doris Faulhaber ist mit einem Onlinefindbuch recherchierbar und kann im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe eingesehen werden.