„Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein“. Der theologische Vorlass von Pfarrer Dr. Friedrich Hertel ist überliefert

5. Oktober 2026 | | ,

Mit den obigen Worten hat Friedrich Hertel 2009 für ein biografisches Porträt in der Reihe „Lipsia-Präsenz-Bürgerportraits“ beschrieben, was für ihn Glück bedeutet. Dieser „Lebensgrundsatz“ des Pfarrers verdeutlicht die theologische Ausrichtung, die unserem Archiv durch den Vorlass von Dr. Friedrich Hertel (* 1934) übergeben wurde.

Dr. Friedrich Hertel bei der Feier seines 60. Geburtstags in Löwenstein (11.06.1994). Rechte: Bettina Hertel priv.]

Hertel stammt aus Selb im Fichtelgebirge. Nach seinem Theologiestudium in Neuendettelsau, Tübingen, Zürich und Basel war er von 1957 bis 1958 sowie von 1960 bis 1965 als Assistent an der Theologischen Fakultät Zürich tätig, wo er im Juli 1963 zum Dr. theol. promoviert wurde.

Als Theologe und Pfarrer war Hertel 1964 Vikar in Fehraltorf, ab 1965 Pfarrer der Kreuzäckerkirche in Schwäbisch Hall und ab 1973 Studieninspektor im Theologischen Stift Tübingen, dessen Ephorus er 1977 wurde. Nach zehn Jahren in diesem Amt wechselte er 1987 in eine Pfarrstelle des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart, die er bis zu seiner Emeritierung am 1. Juli 1999 innehatte.

Die Vorlassunterlagen zeugen von einem erfüllten Dienstleben. Seine Predigten, Gottesdienstabläufe (auch nicht gehaltene), Andachten, Kasualgottesdienste, Bibelarbeiten und Exegesen zeugen von Hertels jahrzehntelanger Arbeit und seinem Fleiß. Allein in den zwölf Jahren als Krankenhauspfarrer hielt er 265 Gottesdienste, die durchnummeriert und handschriftlich überliefert sind. Daneben weisen die zahllosen Vorträge und Arbeiten, die theologische, ethische, psychologische, historische, kirchliche und literarische Themen aufgreifen, Hertel nicht nur als einen „Vollblut-“, sondern geradezu als einen „Universaltheologen“ aus.

Dr. Hertel bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand (Juni 1999) mit seinen typischen Manuskriptzetteln [Rechte: Bettina Hertel priv.]

Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand arbeitete Friedrich Hertel theologisch. So hielt er innerhalb weniger Monate Referate zu grundlegenden Themen wie „Christliche Leitlinien für ärztliches Handeln”, „Beichte und Absolution in der Seelsorge”, „Lebenserfahrung und Gotteserfahrung in einer Klinik” oder „Den Leib zähmen und die Seele hüten?” vor entsprechendem Fachpublikum (Nr. 43).

Persönliche Unterlagen sind nur in geringem Maße überliefert, beispielsweise in Form der Weihnachtsbriefe an Verwandte und Freunde (Nr. 29) oder zu seinem 60. Geburtstag in Löwenstein (Nr. 42).

Friedrich Hertel hielt die Begrüßungsrede beim Besuch des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Rahmen einer „inoffiziellen” Auftaktveranstaltung zum 450-jährigen Stiftsjubiläum. Ein Briefwechsel zwischen beiden im Nachgang dieses Kennenlernens ist als Kopie überliefert (Dezember 1985, Nr. 35).

Eine Besonderheit lässt sich feststellen: Seinen Predigten ist stets der abgeschriebene Predigttext vorangestellt. Dazu hat Hertel seine Gottesdienstmanuskripte stets wörtlich ausformuliert – diese sind zumeist in Tinte, aber auch in Maschinenschrift verfasst und für einen „dynamischen Vortrag“ unterstrichen.

Im Literaturarchiv Marbach befindet sich ein Teilvorlass, bestehend aus der Korrespondenz zwischen Hertel und dem bekannten Pfarrer und Dichter Albrecht Goes (1908–2000), den Hertel verehrte und mit dem ihn eine freundschaftliche Bindung verband. Dessen Beerdigung hielt Hertel am 28. Februar 2000 in Stuttgart. Im Jahr 2008, dem 100. Geburtstag von Goes, trat Hertel bei zahlreichen Veranstaltungen mit Goes-Vorträgen in Erscheinung (Nr. 44).

Aus Hertels Vorlass geht hervor, dass er ein gleichförmig arbeitender, korrekter und schaffensreicher Mensch und Mann der Kirche war. Seine Predigten, Andachten und Vorträge sind durchweg theologisch bzw. wissenschaftlich ausgearbeitet. Auch im Ruhestand war Hertel als solcher aktiv. So hielt er beispielsweise einen Philosophie-Grundkurs in seiner Heimatgemeinde (vgl. Weihnachtsbrief 2004, Nr. 29).

Der Bestand erhielt die Signatur D 221, umfasst 47 Akten mit einem Umfang von etwas mehr als einem Laufmeter und einer Laufzeit von 1954 bis 2023. Die theologische Überlieferung endet im Jahr 2016, die Weihnachtsbriefe reichen jedoch bis in die Gegenwart. Die Erschließungsdaten sind online recherchierbar und die Akten selbst in unserem Lesesaal einsehbar.

 

Beitragsbild:

– Stiftsephorus Dr. Friedrich Hertel in seinem Büro (1977) [EABW, AS 7, Nr. NM 27381; Fotograf: Ernst Kirschner]