Fundstücke im Archiv: Gefallene des II. Weltkriegs

Bericht von Kurt Treu und einem ehemaligen Funker des Hauptquartiers Armee-Oberkommando 19. Zeitungsausschnitt über die Gedenkfeier am 31. März 1995 in Nassig. [LkA KA, 044. Eichel-Hofgarten, Nr. 15]
Im Kampf um Nassig, ein Ort im Nordosten Badens, der seit dem 1. Januar 1972 Teil der Großen Kreisstadt Wertheim ist, sind am 30. und 31. März 1945 insgesamt 34 deutsche Soldaten in einem Feuergefecht mit der amerikanischen Artillerie gefallen. Eine kleine Kampfgruppe kam von einem Einsatz in Nassig und sollte bei Eichel mit einem Fischer-Schelch (ein größerer Kahn) über den Main setzen, als plötzlich die amerikanische Artillerie das Feuer auf die Gruppe eröffnete. Ein Bericht des Postoberinspektors K. Treu, der als Grenadier im 42. Inf.-Ersatz-Bataillon aus Ansbach eingesetzt war, gibt detaillierte Auskunft, welchen Verlauf dieser Kampfeinsatz nahm.
Zunächst sollte die Einheit in den Westerwald marschieren, um dort für Kampfhandlungen noch weiter ausgebildet zu werden. Ihre Ausrüstung wie Panzerfäuste, Maschinen- und Sturmgewehre wurden von Bauern mit Pferdegespannen transportiert. Es wurde überraschend gemeldet, dass Einheiten der Amerikaner bereits vorstießen. Die Kampfgruppe des Berichterstatters wurde dem Gelände außerhalb des Friedhofs zugeteilt. Die Soldaten gruben sich in Panzerdeckungslöcher ab und konnten mit Panzerfäusten zunächst zwei Panzerfahrzeuge abschießen und die amerikanische Einheit zu einem Rückzug bewegen. Daraufhin begann die Artillerie, Nassig zu beschießen und nach dem Ende des Beschusses mit Infanterie das Dorf anzugreifen. Der Angriff konnte erneut abgewehrt werden. Am nächsten Tag jedoch griffen die Amerikaner mit starkem Artilleriefeuer und Panzerunterstützung erneut an und die deutsche Kampfgruppe konnte dem nichts entgegensetzen. Wertheim wurde eingenommen und der Berichterstatter konnte sich mithilfe Zivilkleider bei den Amerikanern melden und entging der Kriegsgefangenschaft.
50 Jahre später, am 31. März 1995, spricht Georg Hatt als Veteran der 12. US-Panzer-Divison „Hellcats“ im Zuge der Gedenkfeier auf dem Nassiger Friedhof über die Versöhnung mit dem ehemaligen Feind: „Wir waren Feinde, weil unsere Regierungen sich im Krieg befanden, doch heute ist die Situation ganz anders: Wir sind Freunde und Verbündete.“ Des Weiteren rief Hatt dazu auf: „die Bemühungen unserer Nationen für Frieden und Freundschaft zu unterstützen.“




